Türkei 2009, 6. Tag
Freitag, 12.06.2009
LGTS - LDDU
252 nm (467 km), 8:18-11:42 = 3.24 h
(FPL-DMVBB-VG
-5DAL4/L-S/C
-LGTS0800
-N0075VFR DCT ALIKO TALAS N132 MAVAR Y400 RETRA L604 POD W47 BIGLO R45 DBK DCT
-LDDU0315 LGTS LDSB
-DOF/090612 EET/LWSS0055 LAAA0150 LYBA0235 LDZO0300
REG/DMNTH TYP/CH60 REG/DMYLA TYP/TL20 REG/DMHBA TYP/FDCT REG/DMISY TYP/PNR3
LAAZFZX LAAZQZX)
Das Wetter vor dem Fenster und alle Prognosen deuten auf einen guten Flugtag hin. Leider ist der bezahlte Hotelbus um diese Zeit noch nicht verfügbar.
Der erste Gang auf dem Flugplatz führt deshalb zu Olympic Airways (Handling) um unsere Destination von Korfu auf Dubrovnik zu ändern. Der Empfang ist heute herzlich und wir werden sehr zuvorkommend behandelt, obwohl um diese Zeit wirklich etwas los zu sein scheint. Während ich mich um die Bürokratie kümmere, sind die Aviateure zum Warten verurteilt.
Wenigstens die Rechnung ist human. Die Landung ist kostenlos. Standard GA Handling 17,- Euro pro Flugzeug + insgesamt 1h (50,- Euro) Extrahandling für Extratouren beim Benzin.
Der Flugplan über Mazedonien, Albanien und Montenegro scheint nichts alltägliches zu sein. Wieder werden Telefonate geführt, in deren Ergebnis ich kryptische Nummern in den Flugplan eintrage. Für eine Landung in Albanien ist angeblich eine vorherige Genehmigung notwendig. Für einen Überflug reichen besagte Nummern. Mazedonien und Montenegro sind kein Problem. Trotzdem ruft der Tower nochmal zurück, weil ich die EET zu allen Enroute FIRs vergessen habe. Als ich mit der Aufzählung bei Mazedonien beginne bekomme ich gleich erst mal eine Belehrung über den Namen Mazedonien verpasst.
Einige weitere Telefonate später ist klar, unser Flugplan ist akzeptiert. Mit einem Olympic Airways Ouzo im Gepäck geht es jetzt aufs Vorfeld. Die Maschinen werden vorbereitet und wir schießen ein Foto was uns im Screensaver von Olympic Airways in Thessaloniki verewigen wird.
Der Start auf Piste 28 lässt schlimmen Gegenwind erwarten. Wir schleichen mit beängstigenden 100 km/h in 1000 ft Richtung AGELO und weiter übers Wasser direkt auf unsere Flugplanroute.
Erst überm Land dürfen wir auf die requesteten 6500 ft steigen. Ein Wunder geschieht. Der Gegenwind verwandelt sich in einen Rückenwind und unsere Chancen mit den nicht ganz voll getankten Maschinen Dubrovnik zu erreichen steigen von aussichtslos auf Null Problemo.
Vor uns baut sich die erste Gebirgskette auf. Die Wolken scheinen sich dran zu stauen. Als wir näher kommen stellen wir erleichert fest, dass der Grenzpunkt TALAS in einem Pass liegt. Makedonia Control (Griechenland) schickt uns zu Skopje Radar (Mazedonien). Die Belehrung war wohl doch ernster gemeint, als ich sie genommen hatte.
Skopje ist astrein verständlich und ganz problemlos. Er will mal wieder die EET zu unseren nächsten Wegpunkten wissen. Insbesondere zu dem, wo er uns wieder los ist. Der Flug führt uns jetzt dicht unter der Basis entlang und über der Ebene von Prilep fliegen wir in 6500 ft über den Wolken. Erst als die Basis im Gebirge wieder ansteigt fliegen wir wieder unter den Wolken. Mazedonien ist eine wildromantische Bergwelt. Immer wieder überfliegen wir einen neuen Gebirgskamm. Ich denke darüber nach, welchen Sinn es hat sich wegen unbewohnter Berge gegenseitig die Köpfe einzuschlagen. Aber ein paar Städte gibt es eben auch. Unsere anfänglich requestete Höhe gestattet es uns immer optimal zwischen Wolken und Stein hindurchzukommen.
Der Grenzpunkt zu Albanien ist MAVAR. Hier werden die Berge ernsthaft höher als die Basis. Direkt am Wegpunkt ist eine schmale Lücke zwischen Fels und Wolken. Aber Borchert steuert auf die beruhigend größere Lücke links des Massivs zu. Trotzdem sieht es respekteinflößend aus und ich überfliege den Kamm im 45° Winkel. Es hoppelt etwas im Lee der Berge und dann lösen sich die Wolken auf. Albanien empfängt uns mit blauem Himmel. Die Berge werden zusehends kleiner.
Trotzdem bekomme ich absolut keinen Kontakt zu Tirana Radar. Ich versuche es auf der von Skopje mitgegebenen Frequenz und allen anderen Frequenzen, die ich auf der Karte finden kann. Als keine Berge mehr zwischen uns und Tirana sind, ruft mich Tirana Radar nur um mich kurze Zeit später an Belgrad Radar weiterzugeben.
An dieser Stelle macht die Luftstraße einen großen Knick nach Podgorica. Durch den leichten Rückenwind haben wir zwar kein Reichweitenproblem aber lästig ist es allemal. Ein direkt BIGLO wird allerdings abgelehnt. Also Haken schlagen direkt POD und Reports absetzen. Der Kontroller wird leicht beschäftigt. Irgendwo scheint noch eine zweite Maschine unterwegs zu sein. Wir spielen mit und bekommen wenigstens direkt TIBRI. Die Adria erscheint hinter den Bergen der Küste und ist mindestens so blau wie im Prospekt.
Beim Blick die Küste hinauf ist 30 km nordwestlich schon die Piste von Dubrovnik als gelber Strich im Küstengrün zu sehen. Wir rufen Dubrovnik Approach und bekommen einen 15 Meilen Direktanflug auf die 30. Wie passt das zu unserem Rückenwind?! Schon im Funk hören wir einige deutsche Kenner die von Norden anfliegen. Unsere Formation kommt als erste rein. Die B737 am Rollhalt muss aber auch noch die Maschine hinter uns abwarten, bevor sie auf die Piste darf.
Ecki hatte uns versprochen: "In Dubrovnik ist die Fliegerwelt in Ordnung". Tatsächlich kommt nach dem Abstellen sofort jemand, der sich erkundigt wie lange wir bleiben und ob wir Tanken wollen. Im Vorfeld gibt es überall Ösen zum Festbinden und der Tankwagen steht nach 5 Minuten am ersten Flieger. Der Liter AVGAS kostet sagenhafte 1,20 Euro. Das ist nicht mehr nur in Ordnung, das ist das Paradies.
Ein Bus bringt uns zum Terminal und abschließend bekommen wir noch erklärt, das wir beim Abflug am Infoschalter in Terminal A mit "Private Flight" melden sollen. Ecki war ja schon mal in Dubrovnik und ich ernenne ihn zum heutigen Reiseleiter, eine Funktion der er sich nach kurzem Zögern mit Elan stellt. Ein Taxifahrer kennt eine preiswerte Pension und im Konvoi fahren wir gediegen und ohne Hektik die 20 km bis Dubrovnik. Der Endanflug zur Pension geht einen gefühlt senkrecht steilen Weg nach oben.
Die Pension ist weit oben an der steilen Küste. Wir treten auf den Balkon. Vor uns breitet sich die Adria aus. Rechts die Altstadt von Dubrovnik, der Perle am Mittelmeer. Links Inseln und ein Kreuzfahrtschiff. Wir schauen uns gegenseitig an und fragen uns alle im Chor: "Wieso wohnen wir eigentlich nicht hier?"
Über steile Treppen geht es runter zu Meer, Hafen und in die Altstadt.
Beim Blick nach oben auf die Berge wird die Tragödie der Bombardierung dieser Stadt deutlich und fassbar. Borchert und Horst unterstützen Ecki in seiner Reiseleitertätigkeit und bestehen auf einer Bootsfahrt rund um Dubrovnik. Ich geniese es, nichts zu tun als einfach nur mitzumachen. Die Perspektive vom Wasser ist ja völlig diametral zum Überblick aus der Luft. Trotzdem oder vielleicht grade deshalb haben wir jede Menge Spaß.
Dann kommt der obligatorische Stadtbummel. Natürlich ist die Stadt von Touristen überlaufen, aber das tut ihrer Schönheit keinen Abbruch. Und als Reiseleiter organisiert Ecki sogar kulturelle Höhepunkte. (Hallo Katrin und Matthias). Wir verbringen den Abend im Fischrestaurant am Hafen, wo wir kleine frittierte Fische knabbern und extraordinären Wein trinken. Warum Ecki eine zweite Portion bestellt hat, wird wohl wie der GröLAZ ein ungelöstes Rätsel bleiben.
Nachdem wir die unendlich vielen Stufen zur Pension hochgestiegen sind, liegt uns die beleuchtete Stadt zu Füßen.