Türkei 2009, 4. Tag
Mittwoch 10.06.2009
LBBG - LTFJ
152 nm (282 km), 10:00-11:58 = 1.58 h
(FPL-DMVBB-VG
-5DAL4/L-S/C
-LBBG1000
-N0075VFR DCT VADEN DCT BKZ DCT SBH DCT
-LTFJ0200 LBBG
-DOF/090610 EET/LTBB0030 RMK/ALL CREW GERMAN NATIONALITY
REG/DMNTH TYP/CH60 REG/DMYLA TYP/TL20 REG/DMHBA TYP/FDCT REG/DMISY TYP/PNR3
RMK/TURKYE PMT ECAC)
Der neue Tag beginnt wie der letzte geendet hat, auf der Terrasse. Dann gibt es eine herzliche Verabschiedung von Peter und Maria. Uns hat die familiäre Athmosphäre sehr gut gefallen.
Vor dem Haus geht wieder Borcherts Verhandlung mit dem Taxifahrer los. Es hilft nichts, der Preis bleibt bei 30,- Euro. Am Flughafen sind es dann versönliche 30 Leva. Ein angenehmes Gefühl, dass es in Bulgarien auch weniger mafiöse Taxifahrer gibt.
Auf dem Flughafen angekommen muss sich jetzt entscheiden, ob wir nach Istanbul oder Thessaloniki fliegen. Ich marschiere in FlightOps und erkläre meine Wünsche. Der Operator guckt mich nachdenklich an. "Alles deutsch?" Ich nicke. Da meint er: "Wir machen jetzt einen Flugplan und dann werden wir ja sehen ob er abgelehnt wird." Ich plane 2h Zeit bis zum Start, damit die Türken genug Zeit haben über unseren Flugplan nachzudenken. Der Operator verschwindet mit meinem Flugplan und kommt in der nächsten halben Stunde nur um einige Details zu klären. Schließlich zeigt er uns den gesendeten Flugplan. Folgende Änderungen hat er in den Flugplan eingefügt: "RMK/ALL CREW GERMAN NATIONALITY RMK/TURKYE PMT ECAC". Wer kann mir verraten, was TURKYE PMT ECAC heisst?
Bulgarien ist unserer Mitteleuropäischen Zeit eine Stunde voraus. Dadurch habe ich den Start versehentlich eine Stunde zu spät geplant. Wir haben jetzt 3h Wartezeit. Die verbringen wir in einem kleinen Pavillon auf dem Flugplatz. Hin- und wieder gehe ich zu FlightOps und frage, ob der Flugplan angenommen wurde. Ich bekomme erklärt, für VFR Pläne gibt es keine Bestätigung. Es kann höchstens eine Ablehnung zurückkommen. Hmm.
Die Rechnung hats mal wieder in sich. Pro Flieger:
Landung 20,-
Parken 4,-
Handling 62,-
-------------
86,-
=============
AVGAS 3600,- Euro / Tonne + 20% MWSt = 3,25 €/l
Die Reisekasse schmilzt wie Eis in der Sonne. Die Dame von Ground Ops schaut mich schräg an und erklärt: "Was wollen Sie denn? Sie kommen mit einem eigenen Flugzeug. Das ist Luxus. Ausserdem wird es in Istanbul noch sehr viel teurer." Leider behielt sie Recht.
Während wir in die Flieger steigen, kommt noch ein IL-76 Frachter eingeschwebt und stellt sich neben die Ruslan. Die Dinger sieht man überall. So viel gibts doch davon gar nicht. Letztes Jahr in Trondheim stand die auch schon rum.
Schließlich Taxi in der Mittagsglut. Intermediate Takeoff wird abgelehnt. Als wir endlich am Rollhalt stehen ist die Fasci schon gut warm. Raus gehts über die 04 mit Rechtskurve übers Meer. Hier ist es gleich kühler.
Wir klettern auf 6500ft und rufen Sofia Radar. Der gibt uns gleich die türkische Frequenz für den Fall dass wir den Kontakt verlieren. Direkt vor der Grenze ist er immernoch gut zu verstehen und entlässt uns zu Istanbul Approach. Da ist allerdings vorerst kein Kontakt zu bekommen. Wir fliegen also in die Türkei ein mit nichts als einem nicht abgelehnten Flugplan. An unseren Flächen tauchen trotzdem keine Abfangjäger auf. Wir ziehen unbehelligt unsere Bahn. Unter uns ist eine unbewohnte Gebirgslandschaft. Je weiter wir fliegen, desto schlechter wird der Funk. Irgendwelche Nebengeräusche dröhnen in unseren Ohren. Es scheint, als ob auf den Bergkuppen Radarkuppeln und Störsender stehen.
Inzwischen sind wir schon 30 Minuten über türkischem Gebiet und haben wieder die Küste erreicht. Wir folgen der traumhaft schönen Abwechslung aus Steilküste und Sandstrand. Hier können wir endlich Kontakt mit Istanbul herstellen. Die nehmen uns unbeeindruckt zur Kenntnis. "D-MVBB Formation, follow flightplan route. Maintain 6500 feet." Ein Stein fällt uns vom Herzen und eine klitzekleine Erleichterung schleicht sich zwischen die Ohren.
Dann dauert es nicht mehr lange, bis Istanbul im Dunst auftaucht. Die Stadt hat wirklich gigantische Ausmasse. Nicht umsonst ist es die Stadt mit der weltweit zweitstärksten Bevölkerung. Schon aus der Luft ein Molloch.
Endlich kommt auch der Bosporus in Sicht.
Jetzt verlassen wir Europa. Das BKZ VOR steht schon auf der asiatischen Seite. Wir schippern immernoch in 6500 ft über die Stadt. Wahrscheinlich steht der Wind so günstig, dass wir mit dem An- und Abflug von Attatürk nicht in Konflikt kommen. Die Frequenz ist jedenfalls voll. Erst hinter BKZ requeste ich den Sinkflug. Zugestimmt wird mit einem Tonfall ala "Nun mach schon und lass mich endlich in Ruhe". Als der Flugplatz längst in Sicht ist werden wir gnädig zu Sahiba Tower entlassen. Hier geht es ruhiger zu. Wir kommen über den Queranflug auf die 06. Der Tower meldet nur Wind 020, 16 Knoten, aber es beutelt und schiebt kräftig von der Seite. Eine richtige Bilderbuchlandung gelingt hier wohl keinem von uns.
Ein FollowMe schafft uns zur Abstellfläche. Als erstes werden Formulare für alle Flugzeuge ausgestellt, die unterschrieben werden müssen. Dann dürfen wir die Flieger in den Windschatten der Begrenzungsmauer schieben. Auch die Ankergewichte schleppen wir selbst durch die sengende Hitze. Der Crewbus lädt uns schließlich kommentarlos am Arrival-Eingang des Terminals ab. Wir passieren die Passkontrolle und sind in der Türkei angekommen.
Sofort bietet uns ein Hotel-Vermittler seine Dienste an. Wir entscheiden uns für ein Hotel mitten in der Altstadt von Istanbul das es zusammen mit dem Autotransfer für einen akzeptablen Preis gibt. Der versprochene Van entpuppt sich als 5-Sitziger Hundefänger. Auf den Beifahrersitz zwängen sich Borchert und Horst, Ernst quetscht sich in den Kofferraum. Der Vermittler ist sichtlich erleichtert, dass wir kein Fass aufmachen. Morgen soll dann aber wirklich ein Van kommen.
Zunächst geht es zügig über eine Autobahn. Aber je näher wir dem Bosporus kommen, desto dichter wird der Verkehr. Schließlich stehen wir mitten im Stau. Zwischen den dichtgedrängten Autos quirlen fliegende Händler und bieten Gebäck und Wasser an. Letztlich brauchen wir 90 Minuten bis in die Altstadt. Die Fahrt allein ist es Wert, vermittelt sie doch auf ganz andere Weise als aus der Luft ein Bild von den Dimensionen Instanbuls.
Wir gönnen uns nur eine kurze Dusche. Dann laufen wir Richtung Basar. Die Eindrücke auf den Straßen sind unbeschreiblich. Schließlich lassen wir in einer Teestube den Tag ausklingen.