Türkei 2009 - 2. Tag
Montag 08.06.2009
Der neue Tag beginnt mit einem guten Frühstück in der gemütlichen Gaststube. Ein kurzer Anruf auf dem Flugplatz und 5 Minuten später steht der Bus vor dem Haus. Und das alles mit freundlicher Gelassenheit.
Beim Abbinden der Flieger werde ich noch auf den Turm gebeten. Für unsere Destination Bekescsava soll ich bitte einen Flugplan machen. Der ist in Ungarn Pflicht für kontrollierte Lufträume und die ADIZ. Der Mann tippert meinen Flugplan in seinen Computer und dann sind wir frei.
LHPR - LHBC
45 nm (84 km), 8:42-10:18 = 1.36 h
(FPL-DMVBB-VG
-5DAL4/L-V/C
-LHPR0830
-N0075VFR DCT BKS DCT
-LHBC0145 LHKD
-DOF/090608
REG/DMNTH TYP/CH60 REG/DMYLA TYP/TL20 REG/DMHBA TYP/FDCT REG/DMISY TYP/PNR3)
Zuerst stochern wir durch den Dunst unter den tiefen Wolken. Aber bald schon klettern wir über die Wolken. Dafür reichen schon 3500 Füsse. Diese Höhe können wir aber nur bis kurz vor Budapest halten. Dort drückt uns der Luftraum wieder runter in den Dunst. Warum die Zodiac-Mutterkuh dafür einen kaptialen Schwenk durch das GröLAZ (Größtes Loch aller Zeiten) macht bleibt ein ungeklärtes Rätsel.
Als wir dann endlich wieder steigen dürfen hat die Basis bereits kräftig angehoben und der Dunst ist verschwunden. Wir schaffen es nicht mehr ganz über die Wolken bevor wir den Anflug auf Bekescsava beginnen. Es gibt noch ein paar leichte Irritationen, weil der Türmer uns nicht entdecken kann und darauf besteht seine Asphaltpiste mit 17 Links zu bezeichnen. Eigentlich hat er ja recht.
Das nächste Leg nach Bukarest ist das erste, was für die Zodi ohne Reichweitenverlängerung kritisch wäre. Wir stellen uns an der Tankstelle an und machen die Flieger randvoll. Da wir auf eine gemeinsame Rechnung tanken, sind alle Flieger innerhalb kürzester Zeit durchgeschleust.
Der Flugplatz scheint nagelneu. Alle Gebäude sind supernobel. Ich fahre mit dem Fahrstuhl auf den klimatisierten Tower. Die Metars für Bukarest zeigen weiter Gewitter. Das stimmt mit der Wetterprognose von heute früh überein. Ich bereite trotzdem einen Flugplan vor und lasse ihn auf dem Tower liegen. Dann besprechen wir unsere Optionen. Wenn Bukarest nicht erreichbar ist, könnten wir Sibiu anfliegen. Hier gibt es zwar kein Benzin, aber dafür CAVOK. Ecki trägt zur allgemeinen Abschreckung noch einen Grusel-Pirep von EDDH bei.
Inzwischen kommt der Türmer zurück und verkündet freudestrahlend, der Flugplan nach Bukarest sei angenommen. He, der hat den tatsächlich abgeschickt. Gleichzeitig kommt auch schon die Passkontrolle vorgefahren. Obwohl wir die Grenzkontrolle morgen nochmal anfordern müssten, wollen wir doch lieber hier übernachten. Der Türmer gibt allerdings zu bedenken, dass die Romanian CAA approval number nur für einen Flugplan gelten könnte/würde. Was nun? Doch Sibiu? Also gut!
LHBC - LRSB
136 nm (251 km), 12:20-13:58 = 1.38 h
(FPL-DMVBB-VG
-5DAL4/L-V/C
-LHBC1230
-N0075VFR DCT BUDOP L602 NEPOT DCT EPUKI DCT ENIMA DCT KOVUR DCT FLR DCT BWS DCT
-LRBS0330 LRSB
-DOF/090608 EET/LRBB0010 APPROVAL NO/9158
REG/DMNTH TYP/CH60 REG/DMYLA TYP/TL20 REG/DMHBA TYP/FDCT REG/DMISY TYP/PNR3)
Wir klettern in die Flieger und starten ins unbekannte Land. Da wir nur 5 Minuten bis zur Grenze fliegen, ruft der Türmer bei FIS an und stattet uns mit Transponder Code und der Frequenz von Bukarest Radar aus. Wir sollen gar nicht erst Budapest sondern gleich Bukarest rufen.
Die erste Stadt sieht etwas kariert aus. Dafür klappt der Kontakt mit Bukarest wunderbar. Radar möchte ein paar Estimates zu den nächsten Wegpunkten und lässt uns dann in Ruhe. Alles ganz entspannt.
Unsere Route führt uns südlich am Apusinengebirge vorbei von Nordwesten an die Karpaten heran. Die Landschaft ist wunderschön. Aus der Luft ist nichts von all dem Dreck und Stress zu sehen, den ich vor 22 Jahren erlebt und gesehen habe.
Am letzten Wegpunkt vor Sibiu frage ich RADAR nach dem aktuellen Wetter von Bukarest. Dort sind immer noch Gewitter, niedrige Basis und bescheidene Sichten. Auch vor der Nase beginnen sich Wolken zu türmen. Damit ist die Entscheidung für unseren Alternate Sibiu gefallen. Wir drehen ab und bekommen noch die Frequenz von Sibiu Tower. Die will sofort unsere ETA wissen und ist dann beruhigt. Wir gehen in einen 15 Meilen Direktanflug auf die 09. Während auf die Stadt und den Flughafen noch die Sonne scheint, steht querab über den Karpaten und hinter der Stadt Sibiu eine dunkelschwarze Wolkenwand. Im Funk hört man schon die Entladungen prasseln. Daher vielleicht die Sorge von Sibiu Tower?
Beim Abrollen dann plötzlich eine deutsche Stimme im Funk: "Wo kommt ihr denn her?" Ich bin leicht verdattert: "Von zu Hause" "Und wo ist das?" "Görlitz" "Kompliment!" Erst als ich auf das Vorfeld einbiege sehe ich die Maschine von Lufthansa Regional. Die Piloten stehen in der Tür und wir winken uns zu. Was für die Einen regional ist für uns schon eine Reise.
In Anbetracht des drohenden Gewitters zerren wir die sorgfältig eingewunkenen Maschinen vom Beton aufs Gras und binden fest. Dann wandern wir übers Vorfeld zum Terminal.
Im Arrival werden wir zuallererst von weiß- und grünbekittelten Medizinmännern und -Frauen mit Gesichtsmaske empfangen. Wir füllen im Schweinegrippen-Report aus wie gut es uns allen geht und erst dann kommt die Passkontrolle. Irgendwie kommen wir uns veralbert vor.
Das Terminal ist blitzsauber aber menschenleer. Wir treffen uns in der Bar und trinken erst mal ein Wasser und einen frischgepressten Orangensaft. Die Barfrau springt akzentfrei deutsch. Nachdem sie jede Menge Orangen entwässert hat, greift sie zum Telefon und organsiert eine Pension. Die ist zwar nicht in der Stadt, soll aber sehr gutes Essen haben. Leider sind keine Betten verfügbar. Zwischendurch ist noch ein Besuch im Salzsee ganz in der Nähe im Gespräch, wird aber wegen des drohenden Gewitters verworfen. Nach einigen weiteren Telefonaten ist dann ausgemacht, dass wir nach dem Essen in eine zweite Pension gefahren werden. Das alles lässt sich sehr gut an. Rumänien beginnt von seinem Schrecken zu verlieren.
Das Taxi fährt eine ganze Weile. Bis Saliste sind es über 15 km. Am Ende wird der Preis des Taximeters auf 15 Euro umgerechnet. Da wir nur einen 20 Euro Schein griffbereit haben, wollen wir ein großzügiges Trinkgeld geben. Der Taxifahrer lehnt aber ab und gibt mir seine Telefonnummer. Wir sollen ihn morgen anrufen, dann koste die Fahrt nur 10 Euro. Falls er selbst nicht da ist, sagt er seinem Kollegen bescheid. Ungläubig staunen wir ihn an und wieder lösen sich leise zischend ein paar Vorurteile in Luft auf.
Wir betreten die Pensiunea RosenGarden. Die Gaststube sieht schon sehr einladend aus. Wir wollen aber lieber im Rosengarten-Pavillon sitzen und die Aussicht geniessen.
Alle haben ein gutes Gefühl und wir genießen Rumänien. Bei der Bestellung des Essens macht sich kurz die Sprachbarriere bemerkbar. Aber dann lassen wir einfach vertrauensvoll der Frau des Hauses freie Hand. Das lokale Bier nennt sich Ursus und schmeckt den ausgedürsteten Kehlen ganz köstlich. Dann wird eine Karaffe hochprozentiger auf den Tisch gestellt. Der geht aufs Haus.
Inzwischen ist das Gewitter herangezogen und die Teller müssen durch den Regen getragen werden. Dafür werden wir mit köstlich kühler Luft belohnt. Dann wird aufgetafelt. Es beginnt mit zwei riesigen Suppenterrinen. Wir erinnern uns unweigerlich an Christians Worte beim ersten Gang in Macri: Leute, es könnte noch ein weiterer Gang kommen. Und genau wie dort sind wir nach dem Desert völlig ausser Gefecht. Wir feiern noch lange und freuen uns über Siebenbürgen. Als es längst dunkel ist, fährt uns der Hausherr in seinem Auto zur Pensiunea Casa cu livada. Hier spricht die Wirtin sogar deutsch.
Irgendwie kommen wir heute noch nicht ins Bett. Die Wirtin bringt Tisch und Stühle und wir setzen uns noch eine Stunde unter den rumänischen Sternenhimmel.