Türkei 2009 - 1. Tag
Sonntag, 7.6.2009
Eigentlich war mal wieder gestern der erste Tag. Dieses Jahr wird er aber gleich per Telefonkonferenz verworfen. Wir fahren trotzdem auf den Flugplatz und nutzen die Gelegenheit um der Zodiac 30 Liter Reichweitenverlängerung und eine Steckdose fürs Navi zu verpassen. Ich möchte nämlich gern mit PocketFMS statt Garmin fliegen, besonders bei den griechischen Strickmustern (Airways). Auch die Fasci bekommt noch ein paar Streicheleinheiten.
Am Sonntag ist dann heißer Start. Borchert und ich fahren gemeinsam zum Flugplatz und machen letzte Checks der Zusatztanks. Scheint alles OK, ausser der Öldruckanzeige. Die muss schnellstens repariert werden.
Genau wie wir sind auch die Aviateure aus Großrückerswalde mit den letzten Vorbereitungen beschäftigt. Die Route führt sie südlich an Prag vorbei nach Spitzerberg bei Wien. Seit 3 Tagen braucht man für Tschechien keinen Flugplan mehr. Das wird gleich ausgenutzt. Nach einer letzten kurzen Absprache per Telefon werden in Großrückerswalde die Motoren laut gemacht. Wer braucht schon FIS. :)
In Görlitz wird erst 15 Minuten später gestartet. In der Nacht habe ich übers Internet noch einen Flugplan nach Spitzerberg in Österreich aufgegeben. Erstens kann man für in Deutschland begonnene Flüge weitere Flugpläne auch aus dem Ausland über das Internetportal der DFS aufgeben. Ausserdem ist es ein gutes Training für die kommende Woche. Einziges Problem, der Flugplan läuft auf die D-MNTH. Borchert möchte aber zuerst Zodi fliegen, um die neue Reichweitenverlängerung auszuprobieren. Prompt melde ich mich bei Praha Information mit D-MVBB Formation und der findet unseren Flugplan nicht.
EDBX - LOAS
200 nm (370 km), 8:45-11:32 = 2.47 h
(FPL-DMNTH-VG
-2CH60/L-V/C
-EDBX0900
-N0075VFR RASAN LKPS-BELA MIKOV
-LOAS0240 LKCR LKBA
-DOF/090607 EET/EPWW0005 LKAA0010 LOVV0210
REG/DMVBB TYP/DAL4)
Wir fliegen derweil unter tiefen dunklen Wolken übers Isergebirge Richtung Pardubice. Das passt nicht ganz zur guten Wetterprognose. >
Die erfüllt sich erst querab Prag. Die Wolken heben und bauen auf 2/8 Cumulus um. Hier ruft uns auch Prag Information und verkündet freudig erregt, dass er einen Flugplan für die D-MNTH gefunden hat.
Auf der Formationsfrequenz begrüssen wir inzwischen LA und BA aus Großrückerswalde. Sie landen 30 Minuten vor uns in Spitzerberg.
Um die CTR Pardubice zu kreuzen, wechseln wir auf die dortige Towerfrequenz. Hier ist mächtig was los. Jede Menge VFR-Verkehr. Klingt fast wie ein Flugplatzfest.
Beim Überfliegen der Grenze zu Österreich meldet sich Borchert aus der Zodi auf der Formationsfrequenz. Die Pumpe zum Umfüllen des Kraftstoffs hat den Geist aufgegeben, Mist!
Wien Information klingt heute freundlich beschwingt. Trotzdem will er uns unter den Wiener Deckel drücken. Borchert ist ohne seine Reserve davon gar nicht begeistert.
Spitzerberg verkündet die 15 Rollbahn als unser Ziel. Wir fragen nochmal nach und Spitzerberg erläutert uns, dass eine geschlossene Piste mit genau so einem weissen Kreuz markiert sei wie seine Bahn. Wie ist denn der drauf? Wir gehen also in einen langen Endanflug und landen links neben der Piste. Beim Abrollen sehen wir schon LA und BA auf dem Vorfeld stehen. Die Piloten pflegen die Mägen in der Gaststätte.
Wir kümmern uns erst noch um die leeren Flugzeugbäuche bevor wir die Wiedervereinigung unserer Fliegertruppe feiern.Jetzt fehlt nur noch Eckhard aus Kulmbach. Er hat zwar per SMS seinen Start verkündet, ist aber noch nicht eingetroffen. Der soll seiner Pioneer mal die Sporen geben.
Derweil wird die Reichweitenverlängerung der Zodi auf Doppelkolbenpumpe umgerüstet.
Im Süden braut sich eine dunkle Wand zusammen. Die sieht gar nicht einladend aus. Der Wetterbericht spricht aber nur von Regen und Gewitter um Budapest herum. Ich mache trotzdem einen Flugplan nach Bekescsava (LHBC) in Ungarn an der Grenze zu Rumänien. Auf der Strecke gibt es genug Flugplätze zum Ausweichen.
Nach einer Stunde ist dann auch Eckhard gelandet und redet sich mit irgendwelchen Umwegen heraus. Während ich noch mit der Flugvorbereitung beschäftigt bin, schnattert er draussen fröhlich mit Peter Geibel. Damit rückt er aber erst raus, als wir schon wieder gestartet sind. Den Peter hätte ich auch gern mal kennengelernt.
Als ich wieder rauskomme, stehen alle Aviateure auf dem Vorfeld um die inzwischen gelandete Ryan PT22 herum. Kann ich gut verstehen, ist ja eine schönes Flugzeug. Aber warum krabbeln die alle unter die Tragfläche? Schließlich wird klar, der Mann kann heute seinen zweiten Geburtstag feiern.
Wir sind alle zusammen schon in Schottland und am Nordkap gewesen. Das Fliegen in der Formation ist uns also vertraut. In einem letzten Briefing werden noch kurz die Positionen verteilt und dann geht es gemeinsam los nach Ungarn.
LOAS - LHPR
195 nm (362 km), 14:18-15:35 = 1.17 h
(FPL-DMVBB-VG
-5DAL4/L-V/C
-LOAS1430
-N0075VFR MIRLU GYR BKS
-LHBC0300 LHPR LHKD
-DOF/090607 EET/LHAA0010
REG/DMNTH TYP/CH60 REG/DMYLA TYP/TL20 REG/DMHBA TYP/FDCT REG/DMISY TYP/PNR3)
Nach dem Start entlässt uns Wien schnell nach Ungarn Information. Die Dame ist freundlich und eigentlich sogar verständlich. Trotzdem muss mir Ecki erst mal übersetzen, dass sie gern einen Positionsreport in Györ hätte. Ist heute irgendwie nicht mein Tag. Weitere Anfragen nach Sperrgebieten südlich unserer Route und die Reports über den verbogenen Kurs wegen der aufliegenden Wolken vor uns akzeptiert sie ohne weiteres. Ein paar Minuten später wird trotzdem klar, die Front vor uns können wir VFR nicht durchfliegen. Wir beschließen nach Györ umzukehren.
Der Flugplatz Györ sah beim Überflug eigentlich verlassen aus. Im Funk meldet sich trotzdem sofort jemand und auf dem Vorfeld stehen gleich zwei Einwinker. Eine Dame spricht deutsch und organisiert eine Unterkunft. Ob das teuer wird? Egal, erst mal haben wir es bis Ungarn geschafft. Wir schieben die Flieger auf Gras und drehen die Anker in den knochenharten Boden.
Der Flugplatzbus fährt uns ganz unkompliziert zum 2 km entfernten Motel und nimmt auch auf heftiges Drängen kein Trinkgeld an. Das Motel hat eine gemütliche Kneipe. Hier feiern wir den Start unserer diesjährigen Tour.