Rundflug durch die Oberlausitz Fliegerclub Eibau-Oberlausitz e.V. Sektion Ultraleicht

Spanien 2005 - 4. Tag

12.7.2005, Dienstag - Gibraltar

Totana (ES), Aero Veleta (ES), Granada - Santa Fé (ES), Jerez (ES), Granada - Santa Fé (ES)

Route

Mit vollem Tank geht es Richtung Westen nach Andalusien. Alonso-Junior hat uns mit einem Zungenschnalzen Aero Veleta, knapp nördlich der Kontrollzone von Granada empfohlen. Auch Scheppersen und unsere Datenbank weisen diesen Platz mit 500m Piste aus.

Nördlich unserer Route ragen die Berge der Sierra de Maria knapp 7000 ft in den Himmel. Südlich ist die Sierra de las Estancias über 5600 ft hoch. Wir fliegen in 2000 ft GND weit unter den Gipfeln der umliegenden Berge. Hatte ich schon erwähnt, dass Spanien bergig ist?

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Kurz vor unserem Ziel queren wir die Sierra Harana in 6000 ft. Im Süden sehen wir die Sierra Nevada mit über 11000 ft hohen Bergen. Dann sinken wir durch ein felsiges Tal steil auf 2500ft ab, um unter dem Deckel des Luftraum D über der Granada CTR zu bleiben.

Zunächst finden wir eine gekreuzte Piste die höchstens 150 m lang ist – wir schauen uns an und schütteln mit dem Kopf. Im Abdrehen taucht dann plötzlich die richtige Piste an einem Berghang auf.

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Sehr lang scheint sie trotzdem nicht. Wir machen einen tiefen Überflug und dann setzt Borchert zur Landung an. Wir schweben langsam rein und setzen schon im Staub vor der Piste auf. Ich habe meine Hand am Killschalter aber schließlich brauchen wir noch nicht mal zu bremsen.

Wir sind direkt im Paradies gelandet. Gebäude und Terasse sind von Weinlaub berankt. Im Garten wachsen die Aprikosenbäume.

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Die Hallen dösen schläfrig in der Sonne. Allerdings ist niemand im Paradies und es gibt keine Tankstelle. Die Zodi wird neben dem Pool abgestellt.

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Die Piloten dürfen rein!

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Eine Wohltat nach der staubigen Nacht in Totana. Dann versuchen wir es nochmal mit dem Telefon. Inzwischen wissen wir, dass Benzin Gasolina heißt. Schließlich verstehen wir deutlich „una ora”. Wir vermuten, es will jemand vorbei kommen. Inzwischen haben wir ja den Pool oder dösen im Schatten auf der Veranda.

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Nach zwei Stunden Warten beschließen wir unsere Strategie zu ändern. Die kleinen Flugplätze bieten in der Woche tagsüber offensichtlich keine Möglichkeit Benzin zu bekommen. Ein Auto anzuhalten und an eine Tankstelle zu fahren kostet jedesmal Zeit und Nerven. Wir beschließen nach Granada - Santa Fé zu fliegen. Aero Veleta liegt direkt an der nördlichen Grenze der Kontrollzone. Also fliegen wir erst mal weiter nach Norden zum Meldepunkt November.

  • D-TH: „Granada Tower, D-MNTH, November 5000 ft, for landing”
  • TWR: „D-MNTH, Granada, we dont have a flightplan from you”
  • D-TH: „Affirm, we don't have a flightplan”
  • TWR: „You do need a flightplan in controlled airspace in Spain!”
  • D-TH: „Roger”
  • D-TH: "?!?!?"
  • D-TH: „Are we approved to land or shall we deviate to our alternate?”
  • TWR: „Enter control zone via November”
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Nach der Landung werden wir von einer Dame am Flugzeug abgeholt und an der Sicherheitkontrolle vorbei zum Flugbüro gebracht. Ist das hier normal oder gilt das unserem fehlenden Flugplan? Im Büro empfängt uns ein akzentfrei deutsch sprechender Angestellter und fragt uns zum Thema Flugplan aus. Wir erklären, dass wir von Castellón kommen und er will gar nicht glauben, dass uns Castellón ohne Flugplan starten ließ. Wir sind sehr reuig und schließlich wage ich noch den Einwurf das Flugpläne für UL in Spanien nicht vorgeschrieben sind. Das ist allerdings dünnes Eis, denn wir wissen ja nicht mal, ob Granada für UL überhaupt zugelassen ist. Er fragt uns höflich: „Das ist ein UL?” Aber in seinem Gesicht lese ich die deutliche Botschaft: „OK, ihr seid unsere Gäste und ich bin höflich – aber veralbern kann ich mich auch alleine. Niemand fliegt mit einem UL von Deutschland nach Spanien!” Wenn der wüßte... Da die Zodi wirklich nicht wie ein Fetzenflieger aussieht gehen wir auch weiter davon aus, nicht als UL erkannt zu werden. Das deutsche Mike-Kennzeichen kennen die Spanier offensichtlich nicht.

Nach einigem Hin und Her versichert uns der freundliche Spanier der Vorfall wäre erledigt. „Aber bitte in Zukunft...” Pflichtbewusst tippern wir einen Flugplan nach Jerez in den Computer. Wir sind wieder "drin". Jetzt genießen wir den Service eines internationalen Flughafens vom Tankauto bis zur Gaststätte im Terminal.

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Um von Granada aus über W auszufliegen muss direkt nach dem Start auf 5500 ft geklettert werden. Bei Aussentemperaturen von 35°C beobachten wir die Motortemperatur. Als die Öltemperatur irgendwann auf 110° klettert schaue ich Borchert an. Haben wir evtl. noch den Ölkühler abgeklebt?

Beim Abflug nach Jerez will der Tower ständig Positionsmeldungen von uns, weil ein Airliner auch in unsere Richtung startet. Erst die Bemerkung des Airliners: „We have him on TCAS – no problem!” beruhigt sie.

Der weitere Flug nach Jerez führt uns über die ausgetrocknete Laguna de Fuente de Piedra und über die Sierra el Tablon, die Sierra de las Harinas und über die großen Seen bei Bornos.

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Jerez de la Frontera liegt in der Nachmittagsonne mitten im flachen Land.

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Eine Beach dreht Platzrunden und der Tower begrüßt uns ohne weitere Rückfragen. Der Flugplan scheint zu wirken. Nach der Landung rolle ich über die erste Intersection T4 ab und komme auf das Vorfeld der Airliner. Tower schickt mich zurück auf die Piste und über T3 zum Abstellplatz GA. Dort stehen mindestens 5 deutsche Flugzeuge rum. Bei näherer Betrachtung wird deutlich, die meisten davon sind Schulflugzeuge von FlyInn Spain. Ein deutscher Flugschüler steht rum und der Lehrer kommt auch gleich. Bei einem kurzen Schwatz erklärt er uns den weiten Weg zum gut versteckten GA-Büro im Obergeschoß des Terminals.

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Ein Flugplan nach Gibraltar wird seiner Meinung nach abgelehnt werden. Man sitzt dann in der Maschine und erbittet Taxi, hat aber keinen Flugplan und trabt zurück ins Büro. Ein Rundflug um Gibraltar ausserhalb der Sperrgebiete sei aber kein Problem.

Wir wandern rüber zum Terminal und rätseln erst mal wie wir dort reinkommen sollen. Als wir an allen Türen klinken kommt schließlich ein Sicherheitsbeamter und bringt uns ins Flugplan-Büro. Dort tippere ich einen Flugplan um Gibraltar herum in den Computer mit Ziel Antequera. Das ist ein kleiner Platz zwischen Jerez und Granada den wir auf dem letzten Flug schon gesehen haben. Am Abend wollen wir nämlich aus dem System aussteigen und auf einem kleinen Platz landen. Der Flugplan kommt aber nicht am Computer der netten Dame hinter dem Schalter an. Sie gibt mir dann den Hinweis wie wir aus dem System „raus kommen”. Als Destination sollen wir Granada angeben. Unser eigentliches Ziel Antequera trage ich als Alternate ein. Dieser Flugplan wird akzeptiert.

Jetzt müssen wir bloß wieder aus dem Terminal aufs Vorfeld kommen. Das ist gar nicht so einfach. Nach dem Passieren der Sicherheitsschleuse deutet der Sicherheitsmann auf Gate 9. Fehlt nur noch die Lautsprecherdurchsage : "Reisende für den Flug Zodiac-Air nach Gibraltar zum Boarding bitte zum Gate 9". Die Tür beginnt sich trotzdem erst zu drehen, nachdem wir die Wechselsprechanlage anquatschen.

Zunächst geht es direkt nach Süden und es dauert nicht lange, bis der Atlantik in Sicht kommt.

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Der Atlantik rückt immer näher und unser Südkurs führt uns irgendwann übers offene Meer.

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Die Straße von Gibraltar liegt vor uns.

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Bald danach passieren wir den Affenfelsen.

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Ganz nah neben der rechten Fläche ist Afrika.

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FIS Spanien erkundigt sich besorgt nach unserer Route. Ich versichere ihm, die Sperrgebiete zu umfliegen und er ist hörbar beruhigt. Nach einer Weile werden wir zu Gibraltar APP geschickt. Dort werden wir „very british” begrüßt. Den A320, der unter uns anfliegt, haben wir in Sicht. Wir hören wieder: „We have him on TCAS – no problem”.

Der ganze Flug übers offene Meer dauert vielleicht 20 Minuten und wir nähern uns jetzt dem riesigen Fladen der auf der Scheppersen die Kontrollzone von Malaga anzeigt. Malaga hat uns aber nicht auf dem Radar und ohne Radarkontakt lehnt er unseren Flug durch seine Kontrollzone ab. Dabei wollen wir die Kontrollzone auf dem direkten Weg zu unserem Wunsch-Alternate Antequera nur nördlich anschneiden. Malaga bietet uns an, die Küste entlang bis W1-Point zu fliegen. Wenn er uns dort nicht auf dem Radar sieht sollen wir umdrehen. Tatsächlich sind noch einige Berge im Weg. Kurz vor W1 erscheinen wir auf seinem Radar und sollen weiter entlang der Küste fliegen und Malaga Midfield kreuzen. Na gut – warum nicht.

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Eine kurze Absprache im Cockpit. Der Sprit reicht locker bis Granada. Dann bleiben wir eben über Nacht "drin" und fliegen nach Granada.

Auf dem Weg dorthin liegt die Sierra de Tejeda. Der direkte Kurs geht eigentlich links am mit 6775 ft höchsten Berg vorbei und sollte mit unserer Höhe von 5500 ft machbar sein. Borchert fliegt drauf zu. Mehrfach schiebe ich das GPS mit dem korrekten Track in seine Richtung...

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Die Berge werden wieder kleiner und die Schatten länger.

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Im goldenen Abendlicht schweben wir in Granada ein.

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Uns kommt es vor wie eine alte Bekannte. Wir kennen den Weg zum Terminal und der deutsch sprechende Angestellte schiebt weiter seine Mammutschicht. Nur Sprit gibt es heute abend nicht mehr. Der Fahrer hat schon Feierabend.

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Wir planen noch unser nächstes Leg für morgen und machen einen Flugplan.

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Schließlich empfiehlt er uns ein Hotel und ruft ein Taxi.

Wir checken ein und bevor wir aufs Zimmer gehen machen wir einen Besuch an der Bar. Bei gutem Essen und Cerveza Grande vergeht auch der Abend wie im Flug.