Rundflug durch die Oberlausitz Fliegerclub Eibau-Oberlausitz e.V. Sektion Ultraleicht

Schottland 2007 - 9. Tag

12.6.2007, Dienstag - England, Frankreich, Belgien

Bodmin (EGLA), Compton Abbas (EGHA), Lydd (EGMD), Oostende (EBOS), Hoevenen (EBHN)

Route

Der Morgen bringt deutlich besseres Flugwetter als gestern. Wir starten, wieder mal, mit Flugziel Campton Abbas.

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Wir folgen navigatorisch der Autobahn von Bodmin nach Exeter. Damit vermeiden wir automatisch die Danger Aerea von Dartmoor und das hohe Gelände in dieser Gegend.

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Wo die Autobahn ansteigt, um sich um die Hügel zu winden, sinkt die Basis noch einmal ab. Das Volmet für Exeter stimmt uns aber optimistisch.

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Zu Recht. Schon vor Exeter geht der Himmel auf und die Sonne läßt sich kurz blicken. Nur die Sichten bleiben begrenzt und steigen nur selten auf 10 km.

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Wir überlegen, ob wir die guten Bedingungen nutzen sollten um non stop bis Lydd zu fliegen. Außerdem hat jede Zwischenlandung unserer 5er Formation bisher mindestens 90 Minuten gedauert. Einige Pilotenblasen melden beginnende Bedürfnisse an und bis Lydd werden wir noch fast zwei Stunden unterwegs sein.

Also entschließen wir uns wie geplant in Campton Abbas zu landen. Den Bodenaufenthalt wollen wir aber so kurz wie möglich halten. Wir verteilen also die Aufgaben: Tobi und Ernst tanken, Borchert Wetter, Christian bezahlen und Flugplanung, Bernd Fotos.

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Wir werden freundlich begrüßt. "If you want fuel, taxi to the pump. You will get the fuel box at the office."

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Wir setzen unseren Plan um.

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Während Ernst zur Tankstelle rangiert, flitze ich ins Büro um die Fuel Box zu holen. Die entpuppt sich als Blechkiste mit Schlüssel und Tankbuch.

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Campton Abbas ist wohl das Yak Zentrum von England. Es gibt jede Menge Maschinen. Ein Pilot erzählt mir, dass er mit den Yaks regelmäßig nach Deutschland fliegt. Auch zu einem Besuch im Museum werden wir dringend eingeladen, aber das passt nicht mit unserem Rekordversuch beim Bodenaufenthalt zusammen.

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Nach genau 25 Minuten ist die Formation wieder in der Luft.

Die Kontrollzone von Southampton liegt jetzt direkt in unserem Kurs.

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In Lands End hatten uns die Piloten schon erzählt, dass wir hier auf keinen Fall durchgelassen werden. Wir probieren es trotzdem.

"D-MNTH Formation, Southampton, good morning."
"Southampton, D-MNTH Formation, pass your message"
"D-MNTH Formation flight of 5 microlights, position 10 miles west of ROMSE, 1500 feet, request to cross your zone direct east."
"D-MNTH Formation, crossing approved, report ROMSE"

Wir sind auch nicht der einzige VFR Verkehr, denn wir hören:
"Southampton, G-XXXX, opposite traffic 10 miles, a formation of 5 microlights"

Als wir dann midfield über den Platz fliegen:
"G-XXXX, your traffic is a rather close formation"

Na das geht doch runter wie Öl.

Noch einmal sehen wir aus der Luft jede Menge Schlösser und Golfplätze.

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Die Route führt uns südlich am Luftraum von London vorbei. Bald sind wir wieder in Gent.

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Erst an der Küste bei Lydd kommen wir aus dem diesigen Wetter mit den schlechten Sichten in den Sonnenschein. Wir fliegen ein Stück aufs Meer hinaus, um zu testen ob wir dort den Horizont sehen können. Unter den Wolken dürfte das schwierig werden. Wenn wir über den Kanal wollen, müssen wir über die Wolken steigen.

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In Lydd brauchen wir ein letztes Mal unsere HiVis-Westen, die die Engländer angeblich nur tragen, weil sie in Deutschland so verbreitet sind!?! Der Tankwagen kommt angebrummt.

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Benzin gibt es in Lydd für internationale Flüge immerhin steuerfrei. Ein Lichtblick für unsere AVGAS-gebeutelte Reisekasse. AVGAS kostet in England durchschnittlich 1,35 Pfund, also 2,- Euro/Liter.

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Während die Maschinen betankt werden, kümmern wir uns um Flugplan und Wetter für unseren Sprung über den Kanal. Über dem Wasser scheint CAVOK zu sein. Das französische Festland hat aber das gleiche Wetter wie England. Geschlossene Bewölkung mit Dunst und schlechten Sichten darunter.

Als Flugziel geben wir Calais an. Da es direkt an der Küste liegt, planen wir vom Meer aus unter die niedrige Bewölkung zu schlüpfen. Alternate ist Oostende in Belgien. Hier ist die Basis in Metar und TAF etwas höher.

Nach dem Start fliegen wir im Steigflug entlang der Küste Richtung Dover, um vor dem Kanal möglichst viel Höhe zu haben. Wir schaffen es bis Dover auf FL55.

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Unter uns sehen wir den Fährbetrieb.

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Die Kreidefelsen leuchten in der Sonne.

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Das Wetter der letzten Tage macht den Abschied von England leicht. Ein letzter Blick auf die Insel.

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Diesmal haben wir beste Sichten auf das Meer unter uns. Bald taucht die französische Küste am Horizont auf. Auch die vorhergesagten Wolken sind schon zu erahnen.

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Calais lassen wir Steuerbord liegen. Das Wetter ist direkt an der Küste sehr gut. Da niemand eine ordentliche Ausrede einfällt, verkünden wir Calais unbegründet unseren Entschluß zum Alternate Oostende zu fliegen. Calais klingt zwar überrascht und enttäuscht, läßt uns aber ohne Rückfragen ziehen.

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Wir wenden uns nach Osten und folgen der Küste Richtung Belgien.

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Backbord ist das offene Meer mit besten Sichten. Rechts unter uns werden die Wolken langsam dichter. Mit ATC entspinnt sich kurz darauf eine interessante Diskussion.

D-MNTH Formation, confirm you are Ü-El-Emm.
D-MTNH Formation, affirmative.
D-MTNH Formation, Oostende do not accept Ü-El-Emm.

Jetzt wird es interessant. Christian kommt gleich in Fahrt.

D-MNTH Formation, according to my Jepessen Airfield Manual Oostende accept microlights.
D-MNTH standby...

D-MNTH, Oostende can accept you.

Christian: Na bitte, muss man immer erst rumbrüllen :-)

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Den Luftraum von Dunkerque dürfen wir nicht über 3500 ft queren. Also weichen wir nochmal kurz übers offene Wasser aus, um an den mittlerweile dichten Wolken vorbei zu sinken. Schnell müssen wir 2500 ft und dann sogar 1500 ft requesten, um unter die Dunstglocke zu schlüpfen.

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Die Sicht ist hier unten miserabel. Irgendwann kommt trotzdem der Platz in Sicht. Wir fädeln uns in den Gegenanflug 26 ein.

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Im Endanflug meldet sich nochmal der Tower: "D-MNTH formation, no formation landing. Keep sufficent seperation."

Mit der Zodi sitz ich auf der Schwelle und rolle am ersten Taxiway ab. Weit über uns sehen wir die Fasci für eine lange Landung vorbeihuschen.

Wieder meldet sich der Tower: "D-MNTH number 3. Are you familiar with the seperation procedures?"

Ernst ist nach dem Geschmack des Towers der Fasci wohl zu dicht auf den Fersen. Christian und ich schauen uns an. Diesen englischen Satz hat Ernst bestimmt nicht verstanden.

Im Funk kommt ein trockenes "Klick, klick". Was nun?

Tower bestätigt mit "D-TH number 3, Roger, cleared to land". Wir brüllen vor Lachen. Wir wissen schon, wer heute Abend das Bier ausgibt.

Nachdem wir alle unsere Abstellfläche gefunden haben, kommt auch schon der Tankwagen. Dann bringt uns ein Auto zum GAT. Die Landegebühren sind beachtlich. Vor allem, wenn jeder Copilot zum zahlenden Passagier degradiert wird. Trotzdem sind 25 Euro immernoch besser als die 20 Pfund von Cambridge.

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Wir wandern weiter zur Immigration. Zehn Minuten später sind wir endgültig in Kontinentaleuropa angekommen.

Auf diesem ungemütlichen Flughafen wollen wir aber nicht übernachten. Wir suchen nach einem kleinen Flugplatz in Belgien. Die Dame vom GAT gibt sich rührend Mühe und telefoniert alle Plätze an, die wir vorschlagen. Nirgendwo meldet sich jemand. Schließlich will Ecki schon völlig entnervt aufgeben. Doch dann stoßen wir auf Hoevenen, 10 km nördlich von Antwerpen. Und tatsächlich, dort ist jemand da und freut sich auf unsere Landung.

Schnell geht es wieder raus zum Flieger. Routiniert werden die Startvorbereitungen durchgeführt.

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Bald sitzen alle in ihren Kisten.

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Wir taxeln zur Piste und warten noch kurz, bis ein Bizjet abgerollt ist. "D-MNTH Formation, request intersection takeoff". "Approved"

"D-MNTH Formation, ready for departure"

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"D-MNTH Formation, line up runway 26"

Aha, diesmal kein Wort gegen einen Formationsstart. Also allemann rauf auf die Piste.

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Und los. Paarstart, wie es sich für so eine Riesenpiste gehört.

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Noch einmal fliegen wir im Dunst mit schlechten Sichten nach Osten. Letzlich geht das nur, weil wir die Sonne im Rücken haben. Wir weichen etwas nach Süden aus, um nicht nach Holland einzufliegen.

Schließlich kommen wir über den Hafen von Antwerpen. Es ist wie ein Begegnung der dritten Art. Bei diesem Wetter wirken die Industrieanlagen wie eine unendlich endlose Aneinanderreihung.

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Autos, Schiffe, Hafen, Industrie. Gigantisch.

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Verkehr und Gewimmel überall.

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Raffinerien blasen ihr Gas ab und tragen ihren Teil zur gespenstischen Athmosphäre bei.

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Gigantische Bahnhöfe breiten sich aus.

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Noch im Queranflug auf die Piste 33 fliegen wir über die Anlagen und müssen auf Hochspannungsleitungen achten.

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Leichte Verwirrung gibt es dann noch ob der schräg ins Grundstück eingedrehten Piste. Am Platz herrscht reger Hubschrauber-Schulverkehr. Wir bekommen vorgeführt, was ein Hubi für ein Rodeo macht, wenn man ihn noch nicht beherrscht.

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Unglaublich herzlich ist der Empfang der Hoevener Piloten. Neugierig werden die Flugzeuge in Augenschein genommen.

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Wir werden nach unseren Wünschen gefragt. Eigentlich brauchen wir nur eine Unterkunft für 7 Personen und ein Abendbrot. Inzwischen haben wir echt Hunger und Durst. Sofort greifen die Locals zu ihren Telefonen. Allerdings werden ihre Gesichter in der nächsten halben Stunde immer länger. In der Gegend scheint es partout keine Hotels zu geben. Im Hafen gibt es schließlich eins für 130 Euro pro Person. Das ist uns dann doch zu happig.

Wir beschließen mit dem Taxi nach Antwerpen zu fahren. Dort soll es preiswerte Hotels geben. Wieder greifen die ansässigen Piloten ohne zu zögern zu ihren Taschentelefonen. Wieder werden die Gesichter länger. Obwohl sie sich unendlich rührend und intensiv bemühen, scheint auch ein Taxi hier draußen ein Problem zu sein. Nach weiteren 60 Minuten fährt es endlich vor.

Die Taxies bringen uns direkt zum Bahnhof, wo wir in einem preiswerten Tourist-Hotel einchecken.

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Dann geht es sofort zu Fuß los in die Kneipenmeile.

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Der Rezeptionist hat uns ein Steak empfohlen. Und tatsächlich, selbst das hervorragende Steak von Kirkbymoorside kann noch übertroffen werden.

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Als wir alle satt und zufrieden sind, ist es nach Mitternacht. Wir schlürfen noch einen Wiskey. Die Stühle an den Nachbartischen sind längst hochgestellt.