Rundflug durch die Oberlausitz Fliegerclub Eibau-Oberlausitz e.V. Sektion Ultraleicht

Schottland 2007 - 7. Tag

10.6.2007, Sonntag - England

Carlisle (EGNC), Pound Green (En), Lands End (EGHC)

Route

Der Tag beginnt wettermäßig erträglich. Es ist zwar trübe, aber die Sichten sind gut und die Basis ist 3000 ft hoch. Wir wollen endlich wieder einmal Mogas tanken und haben uns deshalb als nächsten Stop Pound Green in Wales ausgesucht. Generell wollen wir das gute Wetter an der Westküste ausnutzen und soweit wie möglich nach Süden kommen.

Kurz nach uns startet der Armee-Heli und wir sehen ihn eine Weile parallel fliegen, bevor er hinter dem See verschwindet. Carlisle Radar ist dabei sehr besorgt um uns.

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Als wir die letzten Hügel vor Penrith überflogen haben, reißt der Himmel auf. Die Sonne kommt raus und macht das Fliegerleben doppelt schön.

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Wir rufen verschiedene Segelfluggelände, die wir auf unserem Kurs überfliegen, können aber nirgendwo Kontakt herstellen.

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Unsere Formation hat sich inzwischen gut eingespielt. Das Checkin nach Frequenzwechsel klappt schon öfter problemlos. Nachdem wir zuerst immer alle auf der gleichen Frequenz, also meistens bei FIS waren, sind wir später dazu übergegangen, nur noch die Zodi bei FIS zu lassen. Die Hinterherflieger konnten sich inzwischen auf der 122.80 verständigen. Frequenzwechsel der Mutterkuh wurden nur kurz auf der zweiten Frequenz bekanntgegeben, damit auch die Zodi jederzeit gerufen werden konnte.

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Die Engländer machen sogar aus ihren Bauernhöfen Schlösser. Oder vielleicht umgedreht?

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Zwischen den Kontrollzonen von Liverpool und Manchester gibt es einen VFR Korridor. Hier muss man unter 1200 Fuß durch einen 4 Meilen breiten Schlauch unter dem Luftraumdeckel durchfliegen. Ausgerechnet hier wird das Wetter wieder schlechter. Im Korridor merkten wir noch nicht, wie tief die Basis wirklich schon geworden ist. Nur die Sichten sind deutlich schlechter.

Südlich von Manchester beträgt die Sicht nur noch 5 km. Wir rufen Ternhill Approach für FIS um den Durchflug durch deren MATZ (Militärische Flugplatzverkehrszone) zu erbitten. Wir bekommen ein Midfield Crossing genehmigt. Ternhill erkundigt sich besorgt, ob wir auf unserem Kurs die Berge bei Telford sehen. So schlimm ist es aber auch wieder nicht und als die Stadt aus dem Dunst auftaucht werden auch die Berge sichtbar. Von hier wollen wir IFR (I Follow River) bis nach Pound Green fliegen. Aber Ternhill bittet uns dringend nach Westen auszuweichen, um genügend Abstand zu Cosford zu halten. Hier ist heute ein großer Flugtag und wir bekommen jede Menge Verkehrsinfo. Bei diesem Wetter eine große Hilfe.

Kurz vor Pound Green baut das Wetter erneut um. Die Basis hebt sich, die Sichten werden besser. Die Platzrunde fliegen wir schließlich im Sonnenschein.

Im Funk meldet sich niemand. Also machen wir einen Overhead Join und suchen nach dem Windsack. Zuerst entscheiden wir uns für Piste 16. Beim Einkurven in den Gegenanflug steht der Windsack auf der 34. Also schwenken wir um. Christian ließt mir aus dem Flugplatzführer vor: "Platzrunden möglichst innerhalb des Farmgeländes fliegen." Ich setze also zu einem superkurzen Endteil an. Über der Schwelle richte ich die Zodi aus und fahre die Klappen voll aus. Dabei rutscht mir das Gas wieder rein. Die 500m Graspiste hat keine Mittelmarkierung. Christian ruft trotzdem: "Durchstarten". Inzwischen sitzt die Zodi und ich ignoriere das. Das Ende der Piste ist jetzt nicht mehr weit weg und der Drahtzaun kommt erstaunlich schnell auf uns zu. Christian schaltet die Killschalter aus. Da mir die beschränkte Wirksamkeit der Zodi-Bremsen bewußt ist, verschwende ich keine Zeit mit zwecklosen Bremsversuchen, sondern trete ins linke Seitenruder. Die Zodi stellt sich quer und rutscht geradeaus weiter auf der Piste Richtung Zaun. Jetzt bemerke ich rechts der Bahn einige Hindernisse. Ein Tritt ins linke Seitenruder dreht die Zodi um 180 Grad. Wir rutschen immernoch quer zur Bahn aber auf der Piste. Inzwischen sind wir immerhin schon deutlich langsamer. Während ich überlege, woher wir hier mitten in England Ersatzbleche für die Reparatur bekommen könnten, gibt es einen kleinen Ruck, und die Zodi steht still. Zwanzig Zentimeter neben der rechten Fläche sehe ich den Zaun. Ich lasse wieder an und mache erst mal die Piste frei.

Aus der Luft hören wir aufgeregte Kommentare. Offenbar haben alle die Landung beobachtet. Die zweite und dritte Maschine starten erst mal durch.

Die Lokals empfehlen uns dringend Piste 16. Der Wind ist zwar umlaufend, kommt aber hauptsächlich aus Süden. Ausserdem steigt die Piste in diese Richtung deutlich an.

Unser Landebahn-Slip, danke Horst für diese Wortfindung, hat sosehr verunsichert, dass es noch einige Go-Arounds gibt, bis alle unten sind. Die einheimischen Piloten kommentieren die Landungen mit: "Oh my god - you 3 axis guys...". Erst Borchert in der Fasci bekommt ein: "This was a good one!"

Ecki ist sehr unzufrieden mit sich. Sein Abstand zum Zaun am anderen Ende der Piste betrug aber angeblich immerhin fünf Meter. Hauptursache des Vorfalls ist mein übermütiger Anflug ohne Endteil auf einen unbekannten Platz mit 500 Meter Piste. Erschwerend kommt der umlaufende Wind hinzu. Auch das die Piste keine Mittelmarkierung hatte und kürzlich um 50 Meter gekürzt wurde, war wenig hilfreich. Trotzdem wäre die Situation durch rechtzeitiges Durchstarten problemlos entschärft worden. Lesson learned, wie der Ami sagt: 1. Durchstarten muss im Kopf bei jeder Landung vorbereitet sein. 2. Egal wie gut man in Übung ist, jeder Flug muss ernst genommen werden.

Wie vorher telefonisch verabredet, stehen für uns 120 Liter Mogas in Kanistern bereit. Wir füllen zuerst das Benzin in die Flieger. Dann verdauen wir unseren Schreck mit einer Tasse Kaffee.

Erst bei einer genaueren Kontrolle der Zodi wird deutlich, dass sie ein X-Bein hat.

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Wir schrauben die Radverkleidung ab und entdecken eine leicht verbogene Grundplatte am Fahrwerksbein. Wir entschließen uns zu einer provisorischen Feldreparatur. Jetzt kommt Bewegung in die ansässigen Piloten.

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Einer holt Böcke, der andere Werkzeug, der dritte Wasser, der vierte macht uns ein Wetter. Kurze Zeit später ist die Zodi aufgebockt und das Rad abgeschraubt.

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Bernd richtet die Platte so gut es geht. Der Rest vom X-Bein wird mit Unterlegscheiben ausgeglichen.

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60 Minuten später starte ich zum Werkstattflug. Mit Konzentration, Gegenwind und Endteil rolle ich gemütlich in Pistenmitte ab. Die Lokals kommentieren: "Good landing". Wir sind wieder im Spiel.

Das Wetter ist inzwischen richtig gut geworden. Beste Sichten und 2/8 Bewölkung locken uns an den südwestlichsten Zipfel Englands. Hier gibt es einen Flugplatz mit dem bezeichnenden Namen "Lands End".

Wir überlegen, ob wir bergauf mit Gegenwind oder bergab mit Rückenwind starten sollen. Wir entschließen uns für Gegenwind und fahren gut damit.

Weil wir das Meer bei Cardiff mit wenig Umweg vermeiden können, fliegen wir über Bristol. Beeindruckend sind die Brücken über das Wasser.

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Bei Bristol schiebt sich eine dunkle Wand zusammen. Auf unserem Kurs kommen wir knapp dran vorbei. Zur Not können wir nach Norden übers Wasser ausweichen.

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Letztlich erwischen wir nur einen kurzen Schauer.

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Bald fliegen wir wieder im Sonnenschein.

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Querab Eaglescott kommt von der Zodi plötzlich ein Funkspruch. "Wir schaffen es wahrscheinlich nicht ganz bis 18:00 Uhr nach Lands End. Schlage vor, die schnellen fliegen vor und halten den Platz für uns geöffnet. Alle Kontrollzonen sind passiert, es gibt keine Hindernisse."

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Die Star will bei der Zodi bleiben.

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Also schieben Fasci, CT und Pioneer die Gase rein. Nach 5 Minuten kommt der Nachtrag: "Äh ja, da ist doch noch was. Die MATZ von Mawgan. Ihr macht das schon."

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In Mawgan gibt es einige Irritationen, weil uns Tower zu Approach schickt, der mit uns absolut nichts zu tun haben will. Reuig nimmt uns Tower wieder in Empfang und läßt uns passieren.

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Im Funk hören wir, wie unser Vorsprung langsam wächst. Als wir uns in Mawgan abmelden kommt die Zodi gerade erst auf die Frequenz.

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17:45 melden wir Lands End an. "Lands End Tower, D-MVBB formation, flight of three, 10 miles west, 2000 ft, for landing". "D-MVBB, Lands End good evening. Report estimated time to the field." "D-MVBB formation, 5 minutes to go." "D-MVBB, please hold position for at least 5 minutes. We have parachute dropping in process."

Während wir Kreise drehen, schmilzt unser Vorsprung dahin. Als wir endlich anfliegen dürfen, meldet sich schon die Zodi im Funk. Letztlich landen wir nur fünf Minuten vor der Zodi, die es auch noch vor 18:00 Uhr schafft.

Tanken können wir sofort. Nur bezahlen sollen wir erst morgen. Heute will man doch lieber Feierabend machen.

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Ein Taxi bringt uns nach Saint Just. Wir quartieren uns ein.

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Eine erste Notversorgung bekommen wir gleich an der Bar.

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Am Abend packt Borchert "Rischtische Fliescher" - sein Fliegerbuch - aus. Wir biegen uns alle vor Lachen, als er seine humorvoll beschriebenen Erlebnisse zum Besten gibt.

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Der Abend endet in leichter Unschärfe.