Rundflug durch die Oberlausitz Fliegerclub Eibau-Oberlausitz e.V. Sektion Ultraleicht

Schottland 2007 - 6. Tag

9.6.2007, Sonnabend - Orkneys, Schottland, England

Lamb Holm, Plockton, Oban (EGOE), Carlisle (EGNC)

Route

Wir haben weiter Ostwind. Die Wahrscheinlichkeit, noch ein Wetterfenster zu den Shetlands zu bekommen, bleibt also minimal. Der Wetterbericht kündigt zudem Wetterverschlechterung für die ganze britische Westküste in den nächsten Tagen an. Also entschließen wir uns, das gute Wetter zu nutzen, solange es noch da ist und treten den Rückweg an.

Foto

Für die Westküste haben wir im englischen Fliegerforum einige Empfehlungen bekommen. Plockton und Oban sollen sehr schön sein, Glenforsa, ein Hotel mit Piste am Strand, "must have". Wir planen also den ersten Flug bis Plockton.

Das Wetter am Platz ist sonnig und im Süden gibt es einen klaren Horizont. Wir verabschieden uns mit einem tiefen Überflug in dichter Dreier-Formation von Thommy und holen dann den gestern abgebrochenen Inselrundflug nach.

Foto

Der Steinkreis von Brodgar auf der Hauptinsel, dem sogenannten "Mainland", ist aus der Luft deutlich zu sehen. Das Hühnengrab können wir leider nicht entdecken.

Foto

Die Steilküste von Hoy mit den über 400 m hohen Kliffs und dem "Old Man", einer Felsnadel ähnlich der langen Anna von Helgoland, versteckt sich in Wolken.

Foto

Wir fliegen durch die Berge und sehen etwas weiter südlich doch noch eine Stück Steilküste.

Foto

Von nun an geht es nach Süden. Das Metar von Wick war bereits vielsagend. 002 OVC, FG. Und richtig bildet sich bald eine dünne Wolkenschicht. Es bleibt mir unverständliche, warum sich die Zodi-Mutterkuh auch auf Rückfrage nicht dazu entschließt, darüber zu fliegen, sondern sich unter die Hochnebelschicht presst. An der Küste kommt es wie es kommen muss. Die Wolken liegen auf. Obwohl die Zodi rechtzeigig eine Umkehrkurve fliegt, fällt die Formation auseinander. Dieses Szenario haben wir nicht gebrieft. Keiner weiß, wo die anderen sind. Eine kritische Situation. Das Risiko einer Kollision will ich nicht eingehen. Über mir sehe ich die Sonne durchscheinen. Ich entschließe mich zu steigen. Im Funk höre ich gleichzeitig die Zodi denselben Entschluß verkünden. Nach wenigen Sekunden bin ich oben, und kann von hier durch den Dunst die der Küste vorgelagerte Insel sehen, über der noch die Anderen kreisen. Nacheinander höre ich auch Star und Pioneer ihre Ankunft on top im Funk durchsagen. Die CT sehe ich unter mir im Steigflug kreisen und hole sie dort ab. Damit ist unsere Formation wieder komplett. Wir formieren uns neu und entschließen uns über dem Nebel nach Süden zu fliegen. Am Horizont sind bereits die Berge der Highlands zu erahnen. Der Nebel liegt nur über dem flachen Moorland im Norden.

Die Highlands sind wildromantisch. Kein Hochgebirge, aber sichtbar rauh. Nur ganz wenige Straßen durchziehen diese Gegend. Alles andere ist unberührte Wildnis. Aus der Luft eine großartige Szenerie.

Foto

Die Zodi stampft vorneweg, wir anderen hinterher. Die Fasci ist wieder in Ordnung. Der Regler macht seinem Namen wieder Ehre und regelt die Spannung auf stabile 14V. Die Welt ist schön.

Foto

Plötzlich sehe ich hinter der Zodi zwei Blätter Papier im Wind verwehen. Christian bestätigt mit einer Mischung aus Überraschung, Staunen und Belustigung den Verlust von Thommys Handskizze von den Sehenswürdigkeiten der Orkneys. Nun ja, die brauchen wir wohl sowieso nicht mehr.

Plockton liegt direkt am Atlantik.

Foto

Am Funk meldet sich keiner. Da die Zodicrew unter erheblichem Blasenüberdruck leidet, feuern wir Blindmeldungen ab und machen einen Standard Overhead Join. Der Windsack schickt uns auf die 06. Wie an einer Perlenschnur schweben wir nacheinander ein und stellen die Flieger ab.

Foto

Im Schatten des Hangars liegt ein Longhorn Bulle.

Foto

Er steht auf, läuft gemächlich auf die Flieger zu, nähert sich dem linken Randbogen der Fasci und - schnuppert daran. Dann trollt er sich gelangweilt.

Foto

Puh! Schon wieder Adrenalin. Sonst ist weit und breit niemand zu sehen. Also drainieren wir nur die Piloten. Die werden dadurch noch leerer als der Zodi-Tank.

Nach Glenforsa und Oban ist es jetzt ungefähr gleich weit, in Glenforsa bekommen wir aber auch kein Benzin. Der Zodi-Benzinstand gibt schließlich den Ausschlag. Wir fliegen direkt nach Oban und lassen Glenforsa aus.

Foto

Foto

Die Route über die fjordartige Küstenlandschaft ist wunderschön und so vergehen die 40 Minuten bis Oban wie im Flug.

Foto

Foto

Auch Oban liegt direkt am Meer, ist aber ein Platz mit regem Flugbetrieb. Das hört man schon im Funk. Wir landen auf der 01 und sollen auf G parken. Leichte Irritationen gibt es, weil die als Golf ausgeschilderte Fläche im AFE-Guide als Kreuzpiste ausgewiesen ist. Der Tankwagen kommt sofort raus und wir werden mit Autos aufs Vorfeld rübergefahren.

Foto

Wer tankt, bekommt einen kostenlosen Kaffee und Plätzchen. Paul Keegan erklärt uns, dass er bis letztes Jahr den Flugplatz mit zwei Mitarbeitern gemanagt hat. Seit kurzem ist die Behörde der Meinung, sie muss es selbst tun. Dafür benötigt sie dann 10 Leute. Paul hat zwar keinen Stempel für Flugbuch, verspricht aber, sich darum zu kümmern. Wenige Minuten später kommt er mit frisch ausgedruckten Aufklebern, mit denen wir unser Flugbuch verzieren können.

Es ist noch früh am Tag und ein Flug zum Hotel Glenforsa wird von uns trotz dringendster Empfehlungen verworfen, da wir jetzt noch nicht übernachten wollen. Wir entschließen uns, nach Irland zu fliegen. Als wir den Plan mit Paul besprechen, hebt der bedauernd die Schultern. Wer von England/Schottland nach Irland fliegt, muss das 12 bzw. 24 Stunden vorher bei den Beamten Ihrer Majestät anmelden. Wir rufen an, ob diese Frist wirklich ernst genommen wird. Tatsächlich. Es führt kein Weg nach Irland ohne diese Frist. Die einzige Möglichkeit wäre, nach Frankreich zu fliegen und von dort direkt nach Irland. Verrückte Welt!

Die Wetterprognosen drängen uns Richtung Süden. Wir streichen auch Irland von der Agenda und folgen Pauls Empfehlung für Carlisle als gutem AL-Platz mit Benzin auf dem Weg nach Süden.

Während wir zum Rollhalt taxeln, landet eine britische Pioneer 300 blitzsauber vor unseren Augen. Sekunden später klappt das Bugrad nach hinten und mit einem häßlichen Geräusch kracht der Bug auf den Asphalt. Kurzes Knirschen, 20 Meter Rutschpartie. Stille. Unangenehme Stille. Dann springt die Besatzung aus dem Flieger und die Feuerwehr kommt mit jeder Menge Helfer angebraust. Und so sieht der offizielle Unfallbericht aus.

Foto

Auch Ecki springt sofort aus seiner Pioneer und flitzt rüber auf die Piste zu seinem verunfallten Schwesterschiff. Angeblich hat die Fahrwerkskontrolllampe fürs Bugrad nicht geleuchtet. Wir stellen erst mal wieder ab und sehen zu, wie die Pioneer auf einen Rollweg geschoben wird. Dann wird die Bahn gekehrt. Inzwischen ist die Platzrunde voller Flieger. Erst als die alle gelandet sind, können wir endlich starten.

Foto

Auf dem Weg nach Süden kreuzen wir die Kontrollzone von Glasgow. Christian schlägt sich wacker durch die wechselnden Frequenzen. Schließlich werden wir Midfield über Glasgow gelotst.

Foto

Glasgow ist ein gewaltiges Ballungsgebiet

Foto

Hier spielen wohl die Rangers.

Foto

Der Tower hat jede Menge Traffic. Wir werden souverän durchgeschleust und schließlich wieder zu Scotch Mil entlassen. Scotch integriert uns stärker in den britischen Luftraum, indem er uns mal wieder mit G-MNTH anspricht.

Von hier ab geht es 120 km die Autobahn entlang bis nach Carlisle. Unterwegs sehen wir auf dem GPS Lockerbie und legen eine Gedenkminute ein.

Foto

Christian meldet uns, wie es seine Gewohnheit ist, schon 50 km vor Carlisle beim Tower an. Der Tower meint nur trocken: "D-MNTH, report GRETN, thats at the motorway äh autobahn."

Carlisle ist ein großer Platz.

Foto

Ein Militärhubschrauber wird gerade für die Nacht abgestellt. Wir beeilen uns mit Tanken und anbinden, denn 18:00 Uhr macht der Platz angeblich dicht. So richtig passt diese Info aber nicht mit den Lokals zusammen, die noch fleißig an ihren Fliegern werkeln.

Foto

Wiedermal bringt uns ein Großraum-Taxi ins Hotel. Die beiden Damen an der Rezeption sind sichtlich überfordert mit 7 Männern, drei Twin- und einem Single-Room. Ein Twin-Room ist ein Zimmer mit zwei Einzelbetten. Im Gegensatz dazu ist ein Double-Room ein Zimmer mit Ehebett. Ein Family-Room ist ein Zimmer mit Ehebett und Kinderbett, was aber immer Erwachsenenformat hat. Achtung mit den Ehebetten. Da kann durchaus mal nur eine große Decke drauf liegen. Das erhöht den Kuschelfaktor zusätzlich.

Wir pilgern zu Fuss Richtung Stadt und entern den ersten Pub. Faszinierend ist wiederum das Publikum. Ein Besuch im Pub scheint tatsächlich zum normalen Abendprogramm von Engländern der verschiedensten Sozialen- und Altersschichten zu gehören.

Foto