Schottland 2007 - 4. Tag
7.6.2007, Donnerstag - Schottland, Orkneys
Fife (EGPJ), Wick (EGPC), Lamb Holm
Auf dem Weg zum Flugplatz halten wir an einem Werkzeugladen an und kaufen ein Voltmeter. Damit wollen wir im Flug die Spannung überwachen um eine Aussage über die Funktion des Reglers treffen zu können.
Der Flugplatz erwacht bei unserer Ankunft 9:00 Uhr gerade zum Leben.
Die Tankstelle wird aufgeschlossen und mit viel Gepansche die Reinheit des Sprits überprüft. Nach dem Tanken dauert es eine mittlere Ewigkeit bis die Rechnungen ausgefertigt sind. Dann brauchen wir noch Scheibenwaschwasser, Stempel für die Flugbücher etc.
Alles wird sehr freundlich aber mit viel zeitlichem und körperlichem Aufwand besorgt. Als wir dann noch nach dem Wetter fragen gibt die Dame schließlich auf und überlässt uns Tastatur und Maus. Damit kommen wir doch noch schnell an unser Wetter. Die allgemeine Lage bleibt stabil. Westküste Sonne, Ostküste Nebel und Wolken.
Während wir langsam einsteigen und Ecki schon lautstark seinen Propeller abbremst rangiert die "Dame für Alles" die Flieger der Flugschule aufs Vorfeld. Tagsüber scheint hier auch in der Woche jede Menge Betrieb zu herrschen.
Die ersten Meilen drücken wir uns wieder unter den Wolken durch.
Aber bald reißt die Decke auf und schon über Perth fliegen wir in CAVOK. Die Highlands tauchen vor uns auf.
Kein Hochgebirge aber trotzdem beeindruckend.
Alles Wildnis. Keine Spuren von Zivilisation. Nirgendwo Ansiedlungen oder Landwirtschaft.
Auf manchen Hängen liegt sogar noch etwas Schnee.
Kurz vor Inverness sehen wir das Meer von Wolken bedeckt. Über dem Land lösen die sich aber auf.
Also schneiden wir das Meer nur leicht an. Da alle Militärgebiete aktiv sind, müssen wir sowieso über Land dem VFR-Korridor nach Wick folgen.
Querab Inverness haben wir dann auch Loch Ness in Sicht. Nur Nessie bleibt versteckt.
Die Verbindung von Inverness nach Oban, übers Meer nach Glasgow und zurück nach Edinburgh wurde uns übrigens von den Piloten in Fife als mögliche Schlechtwettervariante zum Wechseln der Küste empfohlen.
Wir fliegen den gesamten VFR Korridor von Inverness bis Wick über der Wolkengrenze.
Links von uns über Land ist es wolkenlos. Rechts von uns überm Meer ist eine geschlossene Nebel/Wolkendecke.
Der Flugplatz Wick liegt aber im im Sonnenschein, obwohl er direkt am Meer ist. Im Queranflug auf die 13 sehen wir den Windsack direkt auf der 08 stehen. Wir requesten die 08 und schwenken schnell noch um. Piste 08 ist nur die Nebenpiste und lange nicht so gut in Schuß wie die 13.
Der Tankwagenfahrer kommt sofort angedüst und will uns unbedingt auch noch Öl verkaufen.
Es gibt einen Kaffee und die Abrechnung wird von einem hübschen Mädchen erledigt. Das macht die Gebühren schon etwas erträglicher. Lange telefonieren wir mit allen möglichen Plätzen auf den Shetlands um Benzin und Übernachtung zu klären. Schließlich kommt sogar der Operator und mahnt uns endlich abzufliegen, sonst müsse er noch Parkgebühr berechnen.
Wir taxeln also zur 08 und machen dort Backtrack. Als wir am Ende der Piste wenden wollen, höre ich hässliche Geräusche vom linken Fahrwerk. Auf Nachfrage bestätigt Borchert aus der Zodi: Die Fasci hat einen Platten. Da wir auf der Nebenpiste stehen, dürfen alle fünf Flieger stehenbleiben. Gleich darauf kommt auch die Feuerwehr und fragt, wie sie uns helfen können. Wir haben viel Werkzeug mit und bauen erst mal das Rad aus. 10 Minuten später sind Borchert und Ernst mit Feuerwehr und Rad unterwegs in die Werkstatt zum Flicken. Weitere 10 min später sind sie wieder da und nach insgesamt 30 Minuten steht die Fasci wieder auf 3 prallen Reifen.
Während wir bauen kommt die Feuerwehr wieder angedüst und bittet uns den Turm anzufunken. Der erklärt uns freundlich, für eine Kontrollzone auf dem Weg nach Shetland braucht man PPR und das Wetter sei dort auch sehr schlecht.
Reiseleiter Christian nimmt sich dieses Problems an.
Wir entschließen uns erst mal nur bis auf die Orkneys zu fliegen.
Nachdem wir aufs offene Wasser rausgeflogen sind, werden wir bald zu Kirkwall Tower für FIS geschickt.
Kirkwall will jede einzelne Insel gemeldet haben.
Die Pioneer sehen wir im Tiefflug über die Inseln und Klippen toben.
Schließlich landen wir auf Lambs Holm.
Eine wunderbare Piste mit Rasen wie auf einem Golfplatz. Es federt richtig unter den Füßen.
Tommy Sinclair begrüßt uns freundlich und wir bestaunen gleich seinen Hangar. Dort steht seine selbstgebaute Europa und ein viersitziger Jabiru. Ein weiterer Jabiru ist gerade im Bau.
Während wir noch über Insel, Piste, Hangar und Kühe staunen, organisiert Tommy schon eine Unterkunft für die Nacht. Er läßt es sich nicht nehmen uns selbst mit seinem Auto hinzubringen.
Thommy erläutert uns auch das lokale Wetter: Ostwind, wie wir in momentan haben, bringt erwärmte Festlandluft von Scandinavien übers Wasser. Dabei kühlt sie sich ab und die Gefahr von Nebel ist groß. Es bleibt absolut unvorhersagbar, ob die Sonne gegen Mittag den Nebel wegbrennt. Bei Westwind ist die Wahrscheinlichkeit für gutes Wetter dagegen viel besser.
Lamb Holm ist mit den Nachbarinseln durch Steindämme, den Churchill Barriers, verbunden. Die Dämme ließ Churchill im zweiten Weltkrieg nach dem deutschen U-Boot Angriff zum Schutz der englischen Flotte in Scapa Flow errichten.
Die Fasci hatte beim letzten Flug teilweise eine Bordspannung von 16 V. Der Regler ist also doch defekt. Tommy telefoniert noch mit der einzigen Motorradwerkstatt auf den Orkneys. Aber dieser Ducati-Regler ist nicht auf Lager. Zunächst überlegen wir, uns einen Regler aus Deutschland schicken zu lassen. Später beschließen wir, am nächsten Tag eine Reparatur zu versuchen.