Rundflug durch die Oberlausitz Fliegerclub Eibau-Oberlausitz e.V. Sektion Ultraleicht

Schottland 2007 - 2. Tag

5.6.2007, Dienstag - Frankreich, England

Calais (LFAC), Cambridge (EGSC), Kirkbymoorside

Route

Zuerst entern wir den Tower um unseren Flugplan abzugeben. Eine hübsche junge Dame empfängt uns. Im AFE Guide suchen wir die internationalen Flughäfen raus. Großer Schock, die meisten werden mit Landegebühren um 20 £ angegeben. Wir entscheiden uns für Cambridge und versichern uns per Telefon ob die UL akzeptieren. Cambridge ist ein blasenfreundliches Leg am Anfang des Tages.

Die Kanalausrüstung wird auf Funktionsfähigkeit überprüft.

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Auf gehts. England, wir kommen.

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Nach dem Start fliegen wir zunächst Richtung W-Point. Über Land wollen wir vor dem Wasser noch möglichst viel Höhe gewinnen. Wir steigen auf die maximal möglichen FL65. Eine Dunstschicht wird durchstiegen und erweist sich als stärker als angenommen.

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Erst in FL50 sind wir endgültig drüber.

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Über dem Kanal verdichtet sich der Dunst zu einer soliden Wolkendecke. Vom Wasser ist nichts zu sehen.

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Beim Steigflug haben wir Pioneer und Star aus der Formation verloren. Beide können die Steiggeschwindigkeit der Zodi auf Dauer nicht halten. Ecki hören wir kurz darauf auf eigene Faust mit London sprechen. Die Star versuchen wir auf der Bordfrequenz wieder heranzusprechen.

Über Land lösen sich die Wolken bald wieder auf.

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Wir beherzigen den Rat, in England lieber zuviel als zuwenig zu funken und drücken uns unter dem Londoner Class-A Deckel hindurch.

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Bald ist Cambridge in Sicht.

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Die Zodi landet als Erste auf Gras und empfielt der Fasci dringend auf Asphalt zu landen. Eine Rückfrage der Fasci zur Landung auf Asphalt beantwortet der Controller mit der Wiederholung der Landefreigabe. Also schwenkt die Fasci rüber auf Asphalt. Beim Abrollen winkt uns Eckhard zu, der mit der Pioneer schon lange vor uns gelandet war. Die Star hat uns dagegen in Platzrunde eingeholt.

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Auf dem Vorfeld tragen alle Piloten grüne oder rote Leuchtwesten. Christian hatte das über Jersey gelesen und deshalb haben wir welche im Gepäck. Ein komisches Gefühl bleibt es trotzdem. Eine Transall steht einige 100m Abseits, bremst die Triebwerke ab und macht damit einen riesen Krach. Im GA-Büro werden zunächst die Pässe kontrolliert, kopiert und wir füllen alle ein Einreiseformular aus. Dann erscheinen zwei freundliche Herren und führen mit jedem ein individuelles Interview über unsere Absichten in UK. Dann sind wir frei zu fliegen wohin wir wollen. Schließlich kommt die Controllerin vom Tower herunter und will mit dem Piloten der Fasci sprechen. Während meiner Landung war ein Auto auf der Piste und hat sich bei ihr beschwert. Ich bin sehr zerknirscht und damit ist das Problem aus der Welt.

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Das Wetter soll generell an der Westküste besser als an der Ostküste sein. Da wir aber lokal CAVOK haben, wählen wir zunächst den kürzesten Weg die Ostküste hoch nach Schottland.

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Als Ziel wählen wir Fishburn, ein kleiner Platz mit erträglichen Landegebühren. Zunächst geht es über das flache Land.

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Wir funken wieder eifrig mit London Info, werden aber bald an die lokalen Flugplätze übergeben, die uns dann von Station zu Station weiterreichen. Alle Stationen bieten vollwertigen Flight Information Service, inclusive Verkehrsmeldungen.

Den meisten ATZ können wir leicht ausweichen, Wickenby müssen wir extra umfiegen. Christian schippert bei bestem Wetter in 1000 ft AGL dahin und läßt sich auch durch die hügelige Landschaft bei Humberside nicht dazu bewegen, diese "Höhe" zu verlassen.

Obwohl wir in der Woche fliegen, meldet uns FIS jede Menge Verkehr. Wir sehen einen Kampfjet 200 ft über uns kreuzen und heftig mit den Flächen rocken. Natürlich wackeln wir zurück. Nur mit der Rollrate können wir nicht mithalten. In Humberside wird eine Fokker 500 ft über uns im Endanflug gemeldet. Natürlich antwortet Christian: "I have the little fucker in sight". Das "Yeah" vom Controller ist so trocken, dass wir bald flach liegen vor Lachen. Manche Dinge, erlebt man nur einmal :-)

Bald überqueren wir die Mündung des Hull River. Ein wahres Schlammwasser. Zuerst überlegen wir, ob das überhaupt Wasser ist. Ist es aber.

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Weiter geht der Flug Richtung Fishburn. Als wir den Flugplatz Wombleton überfliegen (3 Kreuzpisten die schon aus der Luft sehr schlecht aussehen) meldet sich Borchert aus der Fasci im Funk: "Christian, ich muss schnellstmöglich landen. Geht das hier?" Während Christian bei FIS unsere Lage erklärt, sehen wir Borchert immer tiefer den Flugplatz ansteuern. Kurz davor biegt er plötzlich ab. Erst jetzt entdecken auch wir drei Kilometer weiter eine vielversprechende Graspiste. Im Funk kommt eine verknarzte Meldung: "Der Motor läuft". Schließlich dreht er noch einen Vollkreis und setzt unversehrt auf der Graspiste auf. Uns sitzt der Schreck in den Gliedern, der Rest der Formation kurvt wild durcheinander und FIS will von uns wissen, was los ist. Schließlich setzen auch wir auf und sehen schon alle um die Fasci herumstehen. Borchert erklärt grade was passiert ist: Zuerst hat er den Motor im Intercom gehört und die Spur eines Geruchs wahrgenommen (riecht da wirklich was?). Dann ist das GPS ausgestiegen und ließ sich nicht mehr anschalten, dafür ist der ausgeschaltete! Transponder angegangen und der Geruch wurde stärker. Als nächstes gingen die Kontrollleuchten des Fahrwerks aus. Ausserdem ließ sich weder das Fahrwerk ausfahren noch der Propeller verstellen. Erst mit Vollgas funktionierte beides. Allerdings sprang dabei der Drehzahlmesser auf 7000 rpm und blieb dort stehen. Nur der Motor lief unbeeindruckt weiter. Ein Rotax ist eben zum Glück kein Thielert.

Es stellt sich heraus, wir sind in Kirkbymoorside gelandet, dem Flugplatz der ehemaligen Slingsby Aircraft Works. Heute werden Flugzeuge hier nur noch gewartet.

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Außerdem stellt die Firma Verbundfaserelemente und U-Boot Teile her. Wir werden freundlich begrüßt und zuallererst mit Visitor-Schildchen ausgestattet.

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Wir analysieren die Fehlerkette und verdächtigen Batterie und/oder Regler. Zuerst bauen wir die Batterie aus.

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Sie hat zwei leergekochte Zellen. Eine Kontrolle mit dem Voltmeter ergibt Plattenschluß. Ob die Ursache beim Regler oder bei der Batterie liegt, lässt sich auch nach Rücksprache mit Rotaxexperten in Deutschland nicht endgültig klären.

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Wir trampen nach Kirkbymoorside und können in einem Agrarhandel eine neue Batterie bestellen, die morgen gegen 15:00 Uhr geliefert werden soll.

Damit ist der Flugtag für heute beendet. Reiseleiter Christian kommt in Wallung und organisiert ein Hotel. Nur Taxi ist keins zu bekommmen.

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Die Wirtin holt uns für stolze 2x15 £ selbst mit dem Auto am Flugplatz ab. Es ist ein irres Gefühl auf der linken Straßenseite in eine Kurve zu fahren. Auch Einmündungen und Kreisel mit Verkehr sind immer gut für einen Schock.

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Dafür geniesen wir den Abend im Pub.

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Das englische Steak lässt das französische Essen in Calais blass aussehen. Das lokale Bier ist das Beste, was ich je getrunken habe.

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Das Rauchverbot in den Pubs ist eine wunderbare Sache. Wir träumen schon mal von Schottland.

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