Rundflug durch die Oberlausitz Fliegerclub Eibau-Oberlausitz e.V. Sektion Ultraleicht

Rischtische Fliescher

Große Flüge setzen große Taten voraus. Halbmeterhohe Schneewehen auf der Piste zwingen uns in die Blockstuben, in irgendeine Karte wird ein europateilender Strich gemalt. Einige Biere später wird das Ganze dann vermessen, sorgfältig bedacht und entschieden: Espaniol, wir wollen da hin. Bundesweit begeistern wir all die tatenlos an den Pistenrändern hockenden Aviateure: Zeitfenster, Strecke usw..

Und außerdem brauchen wir noch ein neues Fluggerät. Eine Klemm 25, oder- weil ja fast ausgestorben- sagen wir mal eine Sunrise- vom Dallach. Eben was Urgemütliches. Die kurz darauf eingehende Mail von Tobi pries promt eine preiswerte Sunrise an, na ja so ähnlich, Einziehfahrwerk, 270 Stundenkilometer, hieß auch anders aber wir sind ja nicht wählerisch. Der ultimative Apparat für lange Strecken ist auch von Dallach, wird probegeflogen und heißt auch so: Fascination; Geradeausflug mit diesem Flugzeugtyp ist unbedingt zu vermeiden.

Der Erkundungsflug mit der Zlin 43 und dem erlesensten Prüfer aller Prüfer nämlich Moggen- for technical clearance- scheitert hälftig an Wolkenuntergrenzen, entgegen aller Vorsätze ist das Objekt der Begierde dann nur im Mietwagen zu erreichen, wird für gut befunden, gekauft und wegen fehlendem Rating zunächst auf der Alb belassen.

Tage später sitzen wir in der guten alten Zodiac, Kurs Schwäbische Alb und heimwärts soll der neue Traum dann- wenn’s geht im Geradeausflug- dabeisein. So leicht wird’s wieder nicht, wieder Wolken, nur diesmal tiefer und die Sichten schlechter. Ein kleines Wolkenloch rettet die Mission, on Top geht’s über die Stratusdecke auf ins bessre Wetter jenseits der Elbe. Und Wunder, Herr Dallach persönlich erwartet uns schon zur bestellten Flugeinweisung auf dem Wunderapparat, nur leider fällt die Vorstellung aus, das Fliegerass hat grauenhafte Laune. Der zweitbeste Fluglehrer der Welt (Danke Hansi!) rettet uns, fliegt mit jedem ein paar Platzrunden und schickt uns („Itzet kennet ihr hoimfliege“) in die ungebrauchten Bundesländer zurück. Die vollständig angetretenen Fliegerkameraden begrüßen den neuen Vogel wie Lindberg in Paris.

Nachfolgende Versuche, das Gerät anständig zu testen scheitern an endloser Fehlerserie und wir fragen schon, was ist los mit dem Traum von der Schwäbischen Alb es dämmert uns- vielleicht ein Albtraum? Während verschiedene Einzelteile in Kisten durch Deutschland reisen und wir schrauben statt zu fliegen taucht unaufhaltsam der Slot für Spanien auf, CAVOK in Sicht, die Fascination bleibt gegroundet. All die schönen Pläne mit zwei Maschinen die Sierra Nevada zu erkunden scheitern, die Aviateure haben alle Ausreden und keine Zeit- wir reduzieren das Gepäck und nicht die Absichten, schieben die Zodiac aus dem Hangar.

Ein paar Stunden später hat der Regen immer noch nicht aufgehört, die Piste versumpft, wir auch und flüchten zurück zu den uns nicht erwartenden Familien. Der nächste Tag ist dann der

09.07.2005, der erste Tag.

Man könne überhaupt nicht fliegen so Moggen und wir langweilen uns schrecklich bis die Zodiac zwischen Ground und Wolkenuntergrenze passt. Schwer beladen dauert der Start länger als gewöhnlich, wir steigen so schlecht wie eine 172er. Viel zu steigen gibt’s sowieso nicht, alle Hügel in den Wolken, der Kurs verkommt zur Schlangenlinie, nicht anders hatte es der Wettermann prophezeit. Jenseits der Elbe reißen die Wolken auf, CAVOK überall, nutzt auch nichts, Tobi braucht ein Bord- WC, Zwickau will uns nur ohne Triebwerk landen sehen, die spinnen, aushalten und weiter bis Kulmbach.

Prof. Dr. rer. pol. H.-Christian Brauweiler
Professur BWL, Schwerpunkt Accounting
Fachbereichsleiter BWL

Ich hatte es versprechen müssen, nicht jeder bekommt sein eigenes Kapitel, ohne dieses wären wir aber nie zum dreißigseitigen Fax französischer Anflugkarten in Castellon gekommen, das kommt später. Das wichtigste an Christian ist sein Handy welchem man Simsen schicken kann. Unsere NASA, Bodenkontrolle, Wetterwarte und Fundus für all die AIP´s und Zeug was wir nicht mithatten. Leider hatten wir trotz sorgfältigster Planung vergessen unseren Abflug bekannt zu geben, und so echauffierte Christian sich bei der hinreichend präzisen Botschaft „EDQK“ derart, dass seine liebe Frau uns dies noch Wochen später trotz strengster Zensur klammheimlichst berichten konnte: „Jetzt sind die einfach losgeflogen, woher soll ich wissen wo die hinwollen, wie soll ich da ein Wetter machen?“. Solcherart besorgt fragte er was wir auch nicht wussten: „Kulmbach- und?“.

Wir verlassen das geliebte Kulmbach- voller Tank, drainierte Piloten- mit Südwestkurs, besehen die wohlsortierten deutschen Ländereien, lassen Stuttgart links liegen, steigen über den Schwarzwald und landen im allerschönsten Sonnenschein in Bremgarten; schauen uns tief in die Augen und den Tank; beschließen übereinstimmend dass Ende dieses Tages könne nur in Frongraich- mit fulminantem Essen- angemessen ibegangen werden. Flugs Flugplan, Blick in französische Scheppersen, rätselhafte Luftraumstrukuren.

Abheben, nein Langen und Reims wollen uns nicht hören, schnell noch mal Bremgarten gerastet, rückgefragt und Basel gerufen. Dies alles sind Tobis Aufgaben, meine sprachlichen Kenntnisse endeten am östlichen Rheinufer, nur „Say again“ höre ich heraus, und bin noch unbesorgt. Pontarlier auf Kurs verbirgt sich hinter pubertierendem Thunderstorm, mit dem Alternate Besancon verbiegen wir den Kurs und Basel weiß auch schon um das Wetter. Tropfen im Downwind, Nadel weit im gelben Bereich, Piste noch nicht hochgeklappt, rasch hinab aufgesetzt neben Regenbogen. „Vive la France!“ grüßt Tino, wie wahr: Die netteste Madame von ganz Besancon chauffiert uns zum salon du restaurant.

10.7.2005, Am Morgen des zweiten Tages

lässt sich Kaffee organisieren, die Absetzmaschine ist schon in der Luft, wieder keine Flugleiter da, wie machen die das bloß, die können ja schon ganz alleine fliegen. „Span. CAVOK, loc. Hitzegew. mgl.+ Frankr 4/8 CU loc. CB“ meldet Christian, schon viel besser als der Beginn des Abenteuers vor knapp 24 Stunden.

AVGAS für die Zottige, ein wenig den französischen Flugpionieren zugeschaut, die fliegen auch so ganz alleine und zurück in die Luft, abwärts das Rhonetal mächtig angeschoben vom Rückenwind.

Weiße Kumulanten am Himmel, wunderschöne Landschaft zieht bei 195 Stundenkilometern über Grund unter uns durch. In elf Uhr taucht das Mittelmeer auf, keine Viertelstunde bis zur letzten Landung in Frankreich. Erste Siegesgefühle, FIS vermeidet rechtzeitig Langeweile im Cockpit: No landing, it´s a Military Airfield- wir sind flexibel, Kurs ein wenig weiter rechts, Perpignan Airport taucht vor der Nase auf. Anflugkarte nicht vorhanden, kleine Skizze im Sinkflug tuts auch, nur der straffe Wind bringt besorgte Gesichter nicht nur wegen zu befürchtender Landegebühr. Die Landung im erprobten Fluggerät ist harte Arbeit, gelingt, dann gibt’s Irritationen, Wohin Madame, What is an Ello Ein?

Nach des Rätsels Lösung parken wir neben den anderen Kleinen am Ende der Yellow Line. Dann: Crew Entry, We are the Pilots, Fullservice: Flugplan, Wetterkarten, Sprit, Whats Problem, can I help you? Zwischendurch verlassen wir die Sicherheitszone, Fastfood bei den Fußgängern in der Wartehalle. Unvorbereitet trifft uns der Schock der Landegebühr: 5,50€, ist soviel Glück an einem Tag überhaupt möglich?

Sofortstart um das Ganze nicht zu gefährden, nach wenigen Minuten schroffe Berge links und rechts, Zeit dem Land des guten Weins zu entfliegen. Spanien wir kommen und es wird nicht leicht: Girona Approach hat uns auf dem Radar, die Disskussion über unsere Flugroute führt Tobi letztenendes nicht gerade sanftmütig, nein, wir wollen nicht in das Gewitter vor uns und nach Girona schon gar nicht, wir wollen nach südwest und Moia gibt’s wirklich, steht sogar im Schepperson. „Leave your frequency“, wir sind entlassen, müssen wieder ganz alleine fliegen und tun´s einfach. Die Landschaft unter uns ist gefaltet, gelb mischt sich mit wenig grün, karstig trocken und mangels Aircondition schieben wir Kugelschreiber unter die Haubendichtung. Mehrmals finden wir den Platz der es dann immer noch nicht ist, noch ein Höhenzug, kleine Dörfer und dann noch einer. Eine kleine navigatorische Unsicherheit wächst, das Gewitter auf neun Uhr ebenso, endlich keine Zweifel mehr, Midfield, Platzrunde und im Endteil knapp über die Cafeteria, full Flaps, very short Landing man weiß ja nie.

Backtrack und schon ist die Siegerlaune in Gefahr: ein Polizeiwagen rollt auf das Vorfeld, zumindest ohne Blaulicht, gaaanz langsam rollen wir drauf zu. Ein ziviles Empfangskomitee begrüßen wir mit gemischten Gefühlen, nein, Guardia Civil komme jedes Mal wenn irgendwas landet, was sollen die machen bei soviel Langeweile. Also sind wir doch die Helden, setzen erstmals unsere Füße auf spanischen Boden, Aeroplans Blaus lädt uns in den Hangar ein, Flugplan schließen, schwatzen und die Senorita mit dem unwiderstehlichem Lächeln zeigt uns den Laden. Ein bisschen wie bei Muttern: Hangarplatz, Shuttel in die Stadt, Hazienda und Rücktransport werden organisiert, perfekto- selbst die Benzinfrage klärt sich. Die am steilen Abhang errichtete Ansiedlung versetzt uns ins Mittelalter mit unverputzten Natursteinwänden, schmalen gepflasterten Gassen. Keine Frage, Kolumbus muß hier gewohnt haben, wo kriegen wir nicht raus. Ein wenig drängeln muß ich schon, die kulinarische Frage ist ungelöst, el Touristique macht nicht satt. Das erstbeste Straßenrestaurant mit Sandwich auf der Karte wird verschmäht- der Kellner blickt uns säuerlich nach, das zweite hat kein Essen und das dritte ist zu. Der Hunger wird zum Stadtführer, zurück zum ersten Restaurant, diesmal Speisekarte umgedreht und wir finden das ersehnte landestypische Essen- Pizza, na ja zumindest die nördliche Breite stimmt. Christian sucht immer noch unsern Platz im Atlas, „Moja in keiner Karte, gib Großstadt lat und long“, leider wird Moia nicht mit J geschrieben- wir lassen ihn suchen. In Erwartung großer Taten blättern wir die nächste Schepperson auseinander, und machen einen langen Strich zwei Handbreit weiter südlich.

11.07.2005, Der Morgen des dritten Tages

beginnt mit lecker spanischem Frühstück, wir tanken unglaublich billiges Gasolina. Gracias Moia.

Kleine Wölkchen in den Tälern, CAVOK was sonst und natürlich Rückenwind. Mangels Flugplan passen wir uns dem Groundlevel an; Schluchten unter-, Gipfel neben uns. Trockenes Land, hin und wieder kleine Dörfer. Nach einer reichlichen Stunde kommt es wieder in Sicht: El Mediterraneo, dann das Ebrodelta, flach und grün. Die Landschaft ändert sich im Minutentakt. Hotelburgen, unberührte Strände, Steilküste. Castellon vor der Nase, die buckelige Asphaltpiste schräg zur Küste, sinken, Gegenanflug über Wellen, Landung auf der 18, Tanken, Abstellen neben Palmen- das spanische Flugplatzpersonal mit leicht mafiösen Gesichtszügen sieht uns zum wohlverdienten Bad ins Meer entfliehen.

Weiter geht’s, neuer Kurs übers Gebirge, winzige, auf engstem Raum an die Felsen geklebte Städte, tiefe Schluchten, gelbbraunes Land, langsam wird’s Wüste. Hochebenen, durchbrochen von tiefen Schluchten, Straßen schlängeln in Serpentinen. Dank navigatorischer Sorgfalt wird der Flugplatz von Ontur gleich gefunden, keiner am Funk, also alles bestens. Die Piste verschwindet kurzzeitig im Queranflug hinter dem in der Platzrunde aufragenden Berg, kurzes Endteil, schmale Asphaltbahn, sauber zielen und hinab nach Ontur in Castillia de la Mancha.

Glutheiße Luft strömt in die geöffnete Haube, verhindert jeden vernünftigen Gedanken, geregelte Atmung sowieso und mühsam quälen wir uns aus dem Cockpit, fliehen in den nächsten Schatten, ringsum Schweigen, kein Spanier irgendwo zu erblicken. Die Stille ist unheimlich, hatte mir die Wüste nie so schweigsam vorgestellt. Das einzige Geräusch verursacht die flimmernde Luft. Ungutes Gefühl beobachtet zu werden, vorsichtig nach Flintenläufen und Westernhüten der Pistoleros in den Felsen gelinst. Fehlanzeige trotz sorgfältigem Rundumblick, nicht mal Sancho Pansa ausgemacht, wahrscheinlich liegt´s am Zeitpunkt: es ist Siesta und das rettet uns das Leben. Das aus der Luft entdeckte Auto hilft auch nicht weiter, zentimeterdick mit Staub bedeckt. Kein Mensch weit und breit, was eigentlich noch fehlt sind Kamele. Das Trinkwasser geht zur Neige, mit Sprit sieht´s gar nicht gut aus, das Szenario bleibt düster: Erschossen und ausgeraubt von spanischen Guerillos, verdurstet in der Wüste. Schlagzeile in Bild: „Deutsches Kleinflugzeug in Spanien verschollen“. Blick auf die Tankanzeige, sehr kurzer Strich auf der Schepperson, adieu Ontour, du trostloser Asphaltstrich in Castillia de la Mancha, Murcia Allicantino wir kommen: Tower, Leute, Cola, Sprit. Der Start gelingt, keiner der Gesetzlosen schießt in die Flächen, von oben ist alles wieder spanisch.

Wir gleiten eine Weile über die in der Hitze flirrende Landschaft, Airport Murcia in Sicht. Wiederum Schweigen auf der Frequenz, keine Sau funkt uns an – was ist das eigentlich für ein Airport? Christian hätte gewusst was wir noch nicht wussten: Wir hatten wiedermal einen Military ausgesucht. Rischtische Fliescher haben einen Alternate, ohne Funk dann lieber doch nicht ins Paradies, Südkurs, weiter in die Ebene. Eine Tankstelle an gerader Landstraße wird zur Versuchung, die hätten sogar Vanilleeis, wir widerstehen und fliegen weiter Südkurs. Totana City zur rechten, links muß irgendwo der Platz sein mit Pista Compacto, was immer das ist, aber an den angegebenen Koordinaten werden wir landen, egal was kommt, die Tankanzeige zeigt sehr deutlich nichts mehr. Windsack und Hangars entdeckt, wieder Schweigen im Funk, Hochspannungsleitungen quer durch die Platzrunde, weißgraue Erde.

Auf selbiger gelandet, hart gepresster Wüstenboden, Staubfahnen, Hitze, kein Mensch weit und breit. Ringsum versammelt feuerverbrannte Ölfässer, zweifellos Reste der Nachtflugstaffel der Legion Condor. Scheppersonkarten und Zweckoptimismus unter den Schatten der Veranda geschleppt, detaillierte Routenplanung um uns von der grauenhaften Tatsache abzulenken, dass der Sprit aus ist, das Wasser schon lange und keine Ahnung wie das weitergehen soll. Die Gegend stinkt himmelschreiend nach Schweinestall. Telefonate an die Flugplatzbetreiber scheitern an unbekannter Sprache, Schweinehirten gesichtet, hingeeilt, nach Sprit befragt. Fehlschlag, nicht verwunderlich, Zeichnung angefertigt, Wanderung zum nächsten Schweinehirten, der hat wenigstens einen gammeligen Plastekanister mit Gülle, aber so wirklich hilft das auch nicht weiter. Handypiepen, die mitteleuropäische Bodenkontrolle wertet gnadenlos unsere Positionsmeldung „Eure Legs werden auch immer kürzer, so kommt ihr nie nach Afrika“. Kleine Depression zwischen den Ohren, die Füße schmerzen, aber nicht umsonst, Bill from Great Britain hat ein Auto und Zeit und ist außerdem Armypilot: „Fuel for little Aeroplan, yes, no problem.“ Der Versuch, Kanister im Baumarkt zu besorgen scheitert überraschenderweise an den Spanischkenntnissen von Bill, dank soeben eingesetzter Glückssträhne gibt’s Plastetütenkanister an der Tankstelle in Totana City. Zurück zur Pista Compacto, Tobi hat auch Sprit organisiert, welchen nehmen wir und dann kommt noch der Sohn vom ersten Schweinehirten „Gasolina Aeroplan?“. Im Hangar schraubt mittlerweile ein Pilot und Formel 1- Freak an irgendeinem Triebwerk, den Flugplatzhund an seiner Seite. Mit Blick nach Westen sagt er Aerodromo Aero Vileta und seine Augen glänzen. Wenig später fahren wir im betagten Kleinwagen- immerhin Ferrarirot- wer bremst verliert, quietschende Reifen, polterndes Fahrwerk nur Fliegen ist schöner- ein paar Kilometer weit vorfolgt vom bellenden Flugplatzhund nach Totana City. In einer Absteige 4. Klasse mit Holzbänken, uralten bärtigen Spaniern mit wiederum mafiösen Gesichtszügen gibt’s Tunfisch und Cervesa, Masse statt Klasse. Die Tagesaufgabe endlich gelöst geht’s zurück zum Landestreifen, der Flugplatzhund wartet fix und fertig im Staub der Pista compacto. Hangar für das Fluggerät, Open Air Night für die Aviateure im Schlafsack aus der linken Fläche- keine gute Idee, staubige Hitze, Luftangriffe durch Moskitos, stundenlanges Gebell vom Feind des Flugplatzhundes, schon zum zweiten mal auf dieser Reise vermisse ich eine Walther P38 im Handgepäck.

12.7.2005, Der Morgen des vierten Tages

beginnt verstaubt und übernächtigt, Gedanken an die Endlösung der Hundefrage, kein Frühstück, Hangarschlüssel hinterlegt, Schnellstart und weg. Im Steigflug über Totana City, weiter über die graubraune Hochebene mit Kurs auf zerklüftete Gipfel. Sonne im Rücken, blauer Himmel, kein einziges Wölkchen. Steigflug, rein in die Berge, die Crew hat zu tun, wachsam wird der Kurs beäugt. Groundlevel, jawohl, wo ist hier Ground? Tal oder Gipfel? In Flugfläche 55 durch enge Schluchten, bizarre Felsen starren auf uns herunter, immer noch steigen, Paß noch nicht erreicht. Ein paar Füße über uns Airspace Delta, Tummelplatz für großes Fluggerät im Landeanflug auf Airport Granada. Offensichtlich stümpern wir nicht allzu sehr herum, die Flächenenden bleiben frei von den schnellen Maschinen mit den streng dreinblickenden Piloten im Druckanzug. Endlich Sinkflug, Leistung raus, abgleiten mit dem fallenden Gebirge in fast schon grünes Land. Die erreichte Hochebene ist hügelig, endlose Plantagen, wir suchen nach dem Platz, Präzisionsnavigation, Asphaltstreifen gesichtet, Überflug und glatt abgelehnt. Höchstens hundert Meter, die spinnen, die Spanier, wer soll hier mit ´ner Fläche landen? Mangels neuer Idee bleibt der Kurs stehen, Rätselraten, was nun, plötzlich der richtige Aero Vileta unerwartet auf 2 Uhr. Betonpiste, steil am Berg, sieht auch kurz aus aber machbar. Neben der Piste blauer Kreis, Hoffnungsschimmer. Midfield, tiefer Überflug, Test der Landekonfiguration. Platzrunde, Minimalfahrt, full Flaps, Hauptfahrwerk vor der Piste aufgesetzt; No Problem, isn´t Wasentegernbach.

Backtrack, Welcome in the Paradiese. Fluggerät mittels Stein auf der abschüssigen Piste an der Flucht gehindert, ab in die zertifizierten Badehosen, Siesta ab 08:15 UTC im Swimmingpool von Aero Vileta. So nach und nach realisieren wir Palmen, die weinberankte Veranda, kleiner Vormittagsschlaf, Urlaub in Spananien. Unübersehbar ist die übliche Abwesenheit von irgendwelchen nützlichen und hilfsbereiten Leuten, an Sprit wollen wir mal gar nicht denken. Telefonjoker, no English, Una hora, neues Rätsel, des Wartens und Wanderns leid bleibt die Frage: Was, wenn keiner kommt? Wo sind die Schweinehirten und Armypiloten mit Beziehungen zu Sprit? Wird jemand kommen und wann? Turbinengeräusche im Süden helfen bei der Lösung, es gibt die Plätze mit Sprit und Cola, nur deswegen fliegen die Airliner auch dahin. Tobis Leitspruch könnte den Tiger in den Tank befördern: Ab ins System, auf zum Airport Granada. Dies würde nicht leicht werden, wir wußten´s nicht, hätten´s aber trotzdem versucht.

Ein bisschen mit Wehmut verlassen wir den Traumplatz, Höhe statt Fahrt und zunächst Gegenkurs, wer weiß schon an welchen Controller wir geraten. Ein paar Meilen nördlich vom Luftraum Delta dann Südkurs, Transponder VFR, erste Ansprache an Granada Tower. „D-MNTH, Granada, we dont have a flightplan from you”. Klar, woher auch, in Aero Vileta war keiner da, trotz bester Avionik hat´s zum Fax im Cockpit nicht gereicht. Tobi diskutiert mit dem Tower eine Weile über unseren nichtexistenten Flugplan auf der Airlinerfrequenz. Das führt zu nichts, also was nun: Können wir landen oder nicht? „D-TH, enter control zone via November” ist dann doch überraschend, mit urdeutscher Gründlichkeit folgen wir den Anweisungen bis zur Landung und biegen gleich mal am falschen Taxiway ab.

No Fligthplan, No AIP, das Follow Me findet uns und schleppt uns zur Parking Position der GA einschließlich Winkermännchen. 200m vor uns wird eine 737 startklar gemacht. Eine nette Dame holt uns ab, zerrt uns durch die Sicherheitsschleuse ins Flight Office. Zunächst glaube ich an Hitzeschaden, dann wird mir der Ernst der Lage klar: Erst gibt Tobi den falschen Abflugplatz an, steigert sich dann in juristische Haarspaltereien von wegen UL und sowieso ohne Flugplan und so. Die Towerbesatzung ist leicht überfordert, jetzt soll das auch noch ein UL sein. Immerhin alle Kommunikation in allerbestem deutsch, das macht es aber nicht unbedingt leichter. Frechheit wird belohnt, das System schluckt uns, was soll auch werden, schließlich sind wir da. Rätselhaft bleiben wir den Controllern immernoch- woher sollen wir wissen wo wir hinwollen? Die Airliner wissen das offensichtlich immer schon vorher. Alle Quadratmeter des Flight Office mit unseren Schepperson belegt, zwei Handbreit links, Strich- fertig ist das nächste Leg. Wir sind drin: Flugplan Jerez, Kaffee, Frühstück, AVGAS. Zwei Schweinehirten sind so schnell doch nicht zu besuchen, von wegen Abfertigungszeiten und so.

Airborn kurz vor dem PAPI, tiefer Überflug über ein paar tausend Meter Piste, abdrehen, Steigen, Nordkurs wie angewiesen. Granada Tower hat einen Anflug, nervt leicht nervös, zum vierten Mal Positionreport, sorry; viel mehr als 60 Knoten im Steigflug ist nicht. Der entgegenkommende Heavy auf 11 Uhr entschärft relaxt die Lage: „We have him on TCAS – no problem“. Westkurs, nun 50 Meilen parallel zur spanischen Südküste über Hochebenen, Wüste und Gebirge. Militärisches Sperrgebiet mit gebotenem Respekt und Seen mit riesigen Ufern und wenig Blau passiert. Irgendwann taucht am Horizont der Zielplatz auf, Airports finden ist pillepalle. Position und Landeabsicht angezeigt, Einflugverfahren zurückgesprochen. Selbiges noch mal durchdacht, Sonnenstand und Kompass stimmen, aber irgendwas ist doch komisch. Was hilft, ist der Blick nach rechts, haben wir doch tatsächlich den Military mit Jerez Airport verwechselt. Unauffällige Kursanpassung, Gegenanflug, Sinken.

Kurze Landung, abgerollt, leider wiedermal die falsche Intersection erwischt- auf dem Airlinervorfeld wollen die uns hier nicht haben. Jerez Tower schickt uns zu den kleinen Fliegern, eine Handvoll Echos von FlyInn Spain steht herum, Benzingespräche angebahnt, wie geht das mit Gibraltar? Die Hitze ist unglaublich, der Tankwart macht eine inflamable Riesensauerei, wir flüchten in den Tower. Während ich gigantische Mengen gekühlter Getränke organisiere stellt Tobi den Flugplancomputer auf Englisch um und füttert ihn mit unseren unbescheidenen Flugabsichten. Wenn´s klappt schummeln wir uns wieder aus dem System. Der Alternate wird zum Destination. Wiederum schneller als alle spanischen Schweinehirten zusammen gelangen wir ins glühende Cockpit, grauenhafter Spritgestank, schnell rollen und Stifte in die Gummidichtung, langsam wird’s besser, auch im Kopf.

Flugplan akzeptiert, cleared for Takeoff, Südkurs, Spitzenwetter was sonst. Ungewohnt für´s Auge all das flache Land, auf zwei Uhr der ganz atlantische Ozean, voraus die Straße von Gibraltar. Auf Südkurs bleibend entschwinden wir Spanien, Marokko füllt den Horizont. Zwischen den Kontinenten abdrehen nach Ost, 5000ft über Wasser, Europa links, Afrika rechts, Gibraltar auf 10 Uhr. Die zertifizierten Badehosen griffbereit im Handgepäck, dem verunsicherten Controller versprochen zurückzukommen. Chance Frequency to the very british speaking Gibraltar Approach. It´s great. Big Final, the Happy- End. Ein paar tausend Fuß tiefer unterfliegt uns ein Airliner im Anflug auf Gibraltar, das hatten wir so auch noch nicht, „Have him on TCAS – no problem“ ein wenig feierlich wird’s im Cockpit am Ziel der Reise. So langsam wird’s Zeit zurück zum alten Kontinent zu fliegen, Gibraltar en Detail links unten, der Airliner setzt auf der Piste auf. Genug very british, Einflug in die Kontrollzone Malaga und der kriegt uns nicht auf den Schirm, schickt uns die Küste entlang, ignoriert unsere Flugplanwünsche und kreiert so ein touristisch hochwertiges Leg einschließlich Midfield Malaga Airport. Leider wird´s so mit dem Alternate nichts, aber noch sind die Eindrücke des Fluges zu verarbeiten. Kaum die Küste landeinwärts überflogen ragen auch schon die Gipfel in unsere Flughöhe herein. Während ich dies bedenke taucht einer frech mitten im Kurs auf, eine aufmerksame Hand hatte das GPS schon unübersehbar in meine Richtung gedreht und mit kurzem Blick meinen Geisteszustand gecheckt, was ausbleibt ist meine Kursänderung. Immer noch rechtzeitig dann die nächste Informationsstufe, diese nun durchs Intercom, erhalten den recht guten Allgemeinzustand des Fliegers und der Besatzung. Hinein ins Gebirge, die vorsätzliche Absicht Destination und Alternate zu tauschen kippt Malaga Tower durch strikte Kursangaben, so wird aus Destination Alternate und das ist dann auch gut so.

Granada Tower empfängt uns bei tiefstehender Sonne mit Seitenwind und Follow- Me, diesmal der richtige Taxiway, der Spritmann ist schon weg, schwupp durch die Sicherheitskontrolle, man kennt sich schon, ab ins Flight Office, Tobi macht noch flugs einen Flugplan, heute wissen wir wo´s morgen hingeht. Blick auf´s Meteosat, Hotel gebucht, Taxi und schnellstens einige Cervesa bestellt. Irgendwie ging´s beim Essen um Fliegergeschichten, SMS an Christian, noch mehr Cervesa, dann gewisse Unschärfe. Christian ist böse wie ein Tiefdruckgebiet, SMS aus Mitteleuropa „So. das wars. schluß-aus-vorbei! macht euer wetter selber. und flugvorber.-info auch“. Der restliche Abend wird Cervesa geopfert, die Unschärfe nimmt zu, Tobi meinte der Abend sei ganz gut gewesen.

13.7.2005, Am fünften Tag

entdeckt Tobi die Fernbedienung des Hotel- TV in der Hosentasche und entsorgt diese im polternden Blecheimer mitten im Flight- Office von Granada Tower. Tanken, GPS füttern, Karten falten, Zodi zornig machen und weg.

Kurs Nordost, Gebirge, Schluchten, Hochplateaus, gelbgrau, wenig grün. In angenehmer Flughöhe der gnadenlosen Hitze entflogen, ist eben anders als 700ft Ground. Das Leg ist riesig, wiederum der Alternate eigentlich Destination, Valencia Approach spielt mit, Midfield und weiter zur Mittelmeerküste. Nordkurs, Sinken zum Alternate Castellion, die Mafiosis warten schon, der Gegenanflug wie gehabt überm Strand.

Die Feststellung von endlosem CAVOK lässt die Idee mit den Pyrenäen wachsen, Anflugkarten Frongraich zwischen Toulouse und Andorra fehlen, kleines Telefonat mit Christian könnte das ändern. Mangelhafte Begeisterung aus Leipzig wird glaubhaft versichert, das wären ja zwei Stunden harte Arbeit, und überhaupt faxen nach Spanien sauteuer; wir empfehlen Taschentücher, beenden das Gespräch und geben schon mal einen Flugplan auf. Es gibt überhaupt keinen Zweifel daran, dass Christian uns trotz destruktiver Bemerkungen irgendwas faxen wird, also Siesta im Mittelmeer, letzter Einsatz der zertifizierten Badehosen. Solcherart sorgenfrei kehren wir zum Flugplatz zurück, ein Zettel am Flieger informiert über den gestrichenen Destination aus dem Flugplan- na ja, üblicherweise landen wir ja sowieso nicht am Destination- also dann Zaragoza, was solls, da waren wir auch noch nicht. Das dies nicht gut sein würde wussten wir noch nicht. Die Mafiosis schlafen noch, das baufällige Fight- Office ist geschlossen, durchs Fenster sehen wir das überquellende Faxgerät. Ein paar betagte Fluggeräte mit Sternmotoren- nicht sehr viel lauter als Airliner- fliegen Platzrunden. Christians handverlesene Flugplatzsammlung erhöht das Abfluggewicht, das obligatorische Anschreiben an die Aviatores de Mercado de Bau einschließlich Strafanzeige wegen mangelnder Flugvorbereitung gem. §§ 43 VI LuftVG for the TWO STUPID GERMAN PILOTS hat echten Mehrwert, wozu Flugvorbereitung, wir haben ja Christian. Solcherart fürs zweite Highlight der Reise präpariert starten wir gutgelaunt- ein wenig klebrig vom Meersalz- in Richtung Nordwest.

Wieder Gebirge unter uns, angenehme Temperaturen im Cockpit dank vernünftiger Flughöhen, Hello Radar, legaler fliegt Ryan Air auch nicht durch die Gegend. Diese ist immer noch eine Mischung aus Wüste und schroffen Felsen, Notlandefelder gibt’s eigentlich nur mit selektiver Wahrnehmung. Dann ändert sich die Landschaft in eine Ansammlung von Hochplateaus und Tafelbergen, Zaragoza taucht auf 2 Uhr auf, absinken, die Cockpittemperatur klettert. Die Parallelpisten sind in der Länge versetzt, der Gegenanflug auf die 30R hat knapp 4 Meilen. Anflug, Abfangen, Hauptfahrwerk auf den Asphalt, Buenos Dinos Zaragoza International.

Ganz zuletzt setzt das Bugrad auf, mit zwei krachenden Schlägen überrollt die Zodi ein plötzlich auftauchendes Rohr in der Piste. Das erwartete Geräusch von kreischendem Metall auf Asphalt, der Feuerball und Überschlag bleiben aus, das Fahrwerk ignoriert´s, die Zodi rollt einfach auf der Mittellinie. Protest an den Tower, scheiß auf Funkdisziplin, WHAT´s THIS FOR AN PIPE ON RUNWAY??!, die Antwort trifft härter als das Rohr: Reparaturhangar da irgendwo links, Leute, ihr rollt ja noch, Parking Position der GA wäre dann rechts. Die Ignoranten vom Turm interessieren sich herzlich wenig für unseren Minifliegerärger, besorgt kriechen wir unter die Flächen, beäugen die Zodifüße, alles noch dran, was bleibt sind erhitzte Gemüter, am Tankwart und der Dame im Flight Office reagieren wir uns ab. Eilig angeforderte Notams aus Mitteleuropa angefordert lösen das Rätsel nicht, Tobi knackt den Rechner im Tower für eigene Recherchen, das Problem wird sich erst in zwei Wochen lösen und Fangseil heißen, Trägerlandung in Saragoza. Mit der abkühlenden Abendluft bessern wir die Laune, stellen vorübergehend die Attacken auf das Airportpersonal ein, die nette Seniorita von Iberia googelt uns ein Hotel, der ignorante Taxifahrer mustert uns kurz, meint dann das lohne nicht, einfach da lang, so zu Fuß und so. Die spinnen hier alle, sah aus der Luft schon weit aus, was haben die hier gegen uns? Das sieben Kilometer entfernte Hotel ist dann ausgebucht, höchsten Hochzeitssuite, mal sehen, wie einfach waren doch die Schweinehirtenprobleme. Irgendwie löst die Empfangsdame das Problem, harter Kampf beim ignoranten Kellner, wir beginnen mit der Auflösung des verbliebenen Restärgers in erheblichen Mengen Cervesa. Der letzte Ignorant des Tages ist dann aus Dresden und erkennt uns als seine per Luftweg angeforderten Hilfsarbeiter. Ein lustiger Abend in der Hotelbar endet wie zu erwarten mit einer gewissen Unschärfe.

14.7.2005, Mittelmäßiges Frühstück

in selbiger Hotelbar bietet der Morgen danach, diesmal ohne Fernbedienung zum International, eilig die Sicherheitsschleuse vom Crew Entree durchschritten, gleich mal alle Papiere liegengelassen. Das fällt dann noch rechtzeitig auf und ist gut so, freundliches Airportpersonal übergibt mir diese mit unvermeidlichem Grinsen. Eilmeldung aus Leipzig, Schengen außer Kraft, Nationalfeier in Frankreich, die deutsche Rennleitung spielt also wieder mit, ein bißchen komisch ist der Gag schon, natürlich glauben wir kein Wort. Stimmte trotzdem, auch das wussten wir natürlich nicht, die Terroranschläge in London deinstallierten zollfreie Flüge und Frankreich hat immer am Vierzehnten Geburtstag. Flugplan mit der ehrlichen Absicht am Destination zu landen, das hatten wir eher selten.

Start auf der 12L, Tiefflug neben der Piste mit Foto vom Fangseil, aber wir wissen ja noch nicht das wir gerade vom Flugzeugträger starten. Nordkurs, steigen auf Flugfläche 75, Überlegungen angestellt, wo eigentlich die Pullover sind. Das Land steigt stetig an, aber zumindest langsamer als wir. Allmählich verwandeln sich die Ebenen in faltige Ausläufer des Gebirges, am Horizont ist die Gipfelkette schon zu sehen. Wir wussten es, trotzdem überraschend, Flugfläche 75 reicht nicht, weitersteigen. Über die Gipfel kommen wir auch in 9500 Fuß nicht, weiche Kurven zwischen den Gipfeln der Pyrenäen. Große Schneeflächen haben den Sommer überstanden, die Sicht ist atemberaubend, Adieu Espagnol, Vive la France, rechts Andorra, eins der wenigen Länder welche komplett auf ein einziges Foto passen. Eine Schepperson wird letztmalig zusammengefaltet und landet nach schwungvollem Wurf hinten im Gepäckfach. Graue Felsen mit Geröllhalden unter den Gipfeln weichen grünen Berghängen. Später sinken wir ins flachere Südfrankreich. Atterissage Castelnaudary, harte Arbeit in starken Böen, genauso wenig einfach lässt sich unser Flugplan schließen, eine halbe Stunde telefonieren wir herum, die Zodiac muß angebunden werden.

Mangels Tiger im Tank sind die vorrangigen Bemühungen auf Sprit fixiert, Tankstelle leer, fragende Gesichter, dann tauchen aus der Hangarecke Kanister mit Autobenzin auf und sichern das nächste Leg. In der Fliegerkneipe feiern wir ein wenig mit den französischen Flugpionieren, es sind auch zwei Amerikaner da, so rein historisch betrachtet passen wir nicht so richtig dazu, trotzdem schön. Jemand fährt uns in die kleine Stadt, die feiern ja wirklich, wir landen in einer Brasserie. Delicieux. Zu Fuß zurück zum Aerodrome Castelnaudary mit Urlaubscharakter, Ausgleichssport, erzwungenermaßene körperliche Ertüchtigung.

Das nächste Leg ist ein wenig lang geraten, trotz des allgegenwärtigen Rückenwindes, schläfrige Besatzung, Kurs Nordost. Nach zwei Stunden kreuzen wir die Route unseres Hinfluges im Valee du Rhone, der Mistral schläft zur Abwechslung auch mal, Anflug auf Vienne Reventin, ein paar Minuten nördlich von St. Rambert.

Depression ist wohl das falsche Wort, aber immerhin keiner da, nur ein paar trostlos verlassene Hallen und eine Tankstelle dösen in südfranzösischer Sommerhitze. So richtig gelingt die Siesta nicht, mangelnde Aussichten Sprit zu bekommen erschweren optimistische Flugplanung, eher lustloses Blättern in einer der letzten Schepperson, neues Leg mit Fuelstopp in der falschen Richtung. Ein sich öffnendes Hallentor ändert die Situation erheblich, Aviateure betreten die Szene, es gibt Sprit und der ermöglicht Direktion Pontarlier.

Vorbei an den Schweizer Alpen, lange Steigflüge, die schon bekannten verzwickten französischen Luftraumstrukturen führen zu Kurs- und Höhenänderungen im Viertelstundentakt inmitten wunderschöner Landschaft. Pontarlier erwartet uns mit langem Asphaltstrich auf herrlich grüner Wiese.

Es gibt sie wirklich, diese Franzosen mit bescheidenem Lächeln und guten Manieren; einer von diesen schob unauffällig eine gepflegte LongEZ mit Einziehfahrwerk aus dem ebenso gepflegten Hangar und verließ damit ausgesprochen unauffällig das Vorfeld in Richtung Piste. Der tiefe Überflug war zu erwarten, aber nicht annähernd so beeindruckend, 150 Knoten mit lautgestelltem Lycoming, unglaublich; Sekunden später als Punkt am Horizont verschwindend, welcher sich anschließend vergrößerte um unspektakulär zur Landung anzusetzen. Keine Frage, trotz mangelhafter Sprachbegabung teilte ich unmissverständlich mein Anliegen mit, einmal, nur ein einziges Mal in diesem Leben mitzufliegen, koste es was es wolle; gleich, sofort. Es sollte nicht sein, Zulassung, Papiere, Schwerpunkt und so, ein wenig konnte der Pontarlier aus Pontarlier an der Bar darüber hinwegtrösten, aber nur ein wenig. Die wohl letzte Gelegenheit, französisch fulminant delicieux zu speisen ist eine ohne Gedanken an Abfluggewichte und möglicher Spätfolgen südfranzösischer Weine angemessene Würdigung der nun weit über 5000 Streckenkilometer und schon Frongraich zuliebe ein bißchen Fete Nationale.

15.7.2005, Ein kleines bißchen wehmütig

erfolgt die morgendliche Routine, startklar, Takeoff, natürlich keiner da, gut so angesichts gelegentlich vorkommender Spätfolgen möglichem vorabendlichen Genusses südfranzösischer Weine geschuldet- auch bei Flugleitern- wir kommen gut alleine klar. In Reisehöhe gemütliche Drehzahlen eingeregelt, Reims schickt uns zu Basel, die Luftraumstrukturen sind überschaubar und der Moment wird absehbar, in dem der Rhein überflogen und wir in die ach so hervorragend organisierte Fliegerwelt mit Luftaufsichten und Platzöffnungszeiten zurückkehren werden.