Rundflug durch die Oberlausitz Fliegerclub Eibau-Oberlausitz e.V. Sektion Ultraleicht

15.06.03, Noch mal Peenemünde

Es gibt da noch eine Piste, lange genug gemieden und das aus gutem Grund. Erfreuliche Landungen auf Beton kürzlich erlebt, also auf nach Peenemünde. Nordkurs, alle Anzeigen im grünen Bereich, kein Traffic in 6000 Fuß, noch bescheint die Sonne die rechte Fläche von unten. Berlin auf 10 Uhr, tiefes Bereuen des morgendlichen Kaffees. Alle besprochenen Frequenzen schweigen und immer noch 70 Minuten bis Anklam. Luftraum Delta drückt mich auf 2300, der Kaffee auf die Blase, Eggersdorf 10 Meilen voraus. Das angestaute Kaffeeproblem äußert sich schon schmerzhaft, eilig die Landung vorbereitet.

Dem fluchtartigen Verlassen der Piste über Bravo folgt die Evakuierung des Cockpits über die linke Fläche. Nach erfolgreicher Verrichtung besorgtes Umherschauen nach befugten Personen zwecks Genehmigung Wiederstart. Acht Uhr Dreißig lokal, und dass am Sonntag. Aussichtslos. Entdecke umherirrenden Fallschirmspringer, zeige meinen kleinen Flieger, verwickle ihn in Gespräch über Luftfahrt und so aus welchem ich eine Wiederstarterlaubnis ableite.

Triebwerk warm, Piste lang: Start direkt von Bravo. Keine 50 Fuß gestiegen, gewaltiges Brüllen. Nicht aus dem Triebwerk, es kommt aus dem Headset. Sofort Volume leiser gedreht. Daß die brüllende Stimme keinen anderen als mich meint ist mir genauso klar wie die halbmeterhohen Buchstaben der Kennung auf dem Rumpf. Zaghaft biete ich an, aus dem schönen Himmel wieder herunterzukommen- man könne ja alles bereden. Freude über Freude, mit Angabe des Zielflugplatzes lässt man mich zunächst weiterziehen. Weniger froh macht mich die zunehmende Bewölkung, noch 1500 Fuß über Null- Besserung nicht absehbar. „Das hebt sich noch“ wäre jetzt Uwe Baum- ist aber nicht da, also weiß ich nicht wann das hebt. Leichter Gegenwind, Landung nach 88 Minuten in Anklam zum obligatorischen Tankstopp. Mit gemischten Gefühlen den Platz nach Nordost verlassen, Peenemünde nur noch eine Viertelstunde. „Uferlos“ wäre Uwe Baums Einschätzung der Funkphrasen von Peenemünde, habe allerdings andere Sorgen. Konzentrierter Endanflug- diesmal über Land, steil hinab, vor der Schwelle schon abgefangen und auf der ersten Platte aufgesetzt- schnell aber heil und Trauma entsorgt. Mit geretteter Heldenehre lässig zum Turm marschiert und sofort wieder auf den Boden zurückgebracht. Ob ich der unerlaubte Wiederstart aus Eggersdorf sei, und Luftfahrtbundesamt und lauter Dinge, die wenig zur Verschönerung eines Sonntags beitragen. Es gelingt mir darzustellen, nicht ganz sicher zu sein damit etwas zu tun zu haben, zwecks Klärung des Sachverhalts aber einfach mal da anrufen würde, die Angelegenheit sei damit erledigt, mach ich gleich draußen: habe ja Handy dabei. Die Stimme in Eggersdorf klingt ein kleines bisschen nach Staatsanwalt, liefert sehr überzeugende Darstellung aller mindestens 27 gleichzeitig überschrittenen Paragrafen der LuftVO, lässt mich nicht zu Wort kommen, wird schrecklich deutlich und schweigt dann plötzlich. Ich schweige auch, merke dann dass ich dran bin, frage höflich ob ich die Lizenz gleich in Eggersdorf vorbeibringen soll oder noch bis Brauna weiterfliegen kann. Auf alles gefasst- der letzte Peenemündebesuch ging auch daneben- fällt mir nun fast das Handy runter: Hättest gleich Brauna sagen sollen, außerdem können wir uns doch duzen, grüß mal den Horst und beim nächsten mal ruf vorher an...