Rundflug durch die Oberlausitz Fliegerclub Eibau-Oberlausitz e.V. Sektion Ultraleicht

28.03.02, Erster Streckenflug

Nach dem Freiflug macht jeder Flugschüler zunächst ein paar Platzrunden. Sieht dies alles gut aus, wird akribisch der erste Streckenflug vorbereitet. Kurs und Windabdrift ermitteln, Auffanglinien, Überflugzeiten, Wetter usw.. Die ganze Vorbereiterei dauert dann länger als der Flug. Dazu gibt´s dann den schriftlichen Flugauftrag. Und vorher noch ein zwei Flüge mit dem Fluglehrer. Noch habe ich es nicht eilig damit, schließlich habe ich mich erst vorgestern freigeflogen.

Tobias meldet sich über Funk nach Rothenburg ab. Der Ehrgeiz packt mich. Blitzschnell überlege ich, ob ich einfach hinterher fliege. Dann habe ich den ganzen Navigationskram nicht gleich beim ersten Streckenflug und außerdem wieder was gemeinsam erlebt. Eilanfrage über Funk bei Horst, der- welche Freude- gleich zustimmt. Blick nach Osten, Tobi ist mit der Charly Uniform noch in Sicht, vielleicht 1000ft höher. Ich setze Gas und halte erst mal meine geringe Höhe um aufzuholen. Steigen kann ich später noch. Leider hat die Hotel Kilo kein GPS, und selbst wenn, ich könnte es nicht bedienen. Also einfach hinterher. Flugs Frequenz auf Kamenz und Platzüberflug angemeldet. Ein bisschen orientieren muß ich mich natürlich auch, rechts geschaut, links geschaut. Am Horizont ist Tobi, leider so klein dass nicht einmal die Streben zu erkennen sind. Noch ein kleines Bisschen Gas. Wo ist eigentlich Tobi? Ich suche eine ganze Weile den Horizont ab. Habe ich überhaupt eine Karte dabei? Freude über Freude, die habe ich. Keine Spur von Tobi. Jetzt einen genauen Kurs zu wissen wäre auch gut, habe ich aber nicht. Links ganz weit weg ein Kraftwerk. Schwarze Pumpe oder Boxberg? Rechts müsste die Autobahn sein- ist sie aber nicht. Bin wahrscheinlich etwas zu weit nördlich, laut Kompass fliege ich Parallelkurs. Irgendwie wird mir klar, dass hier was schief läuft: Ich orientiere mich an Dingen die ich nicht sehe. So kann man doch nicht navigieren. Ein Königreich für ein GPS. Irgendwo doch Tobi entdecken? Mal anfunken? Oder zurück nach Brauna, das ist von hier aus noch zu finden und das Gelächter aushalten, Rothenburg nicht gefunden zu haben? Aha, Eisenbahnlinie, und die gibt’s auch auf der Karte. Dichtes Netz südwestlich von Rothenburg laut Karte- also gleich aufpassen und mitverfolgen. Notfallplan erarbeiten: Wenn es doch schief geht nach Süden bis zur Autobahn, und dann entlang zurück. Zur Not gibt’s in Kamenz und Bautzen ein QDM. Rothenburg hat Asphaltpiste- müsste also gut zu finden sein. Allerdings sind schon Flugschüler über den Platz gedonnert und nach Polen geraten- sehr peinlich- also aufpassen. Eine Eisenbahnweiche in der Pampa gibt erste Sicherheit. Also hier. Waldkante da, kleiner Teich, alles stimmt. Also nicht verflogen. Es rauscht lauter als gewöhnlich, Vario auf minus zwei, Fahrtmesser im gelben Bereich, der große Zeiger des Höhenmessers dreht eilig nach links. Wann habe ich eigentlich zum letzten mal auf die Instrumente gesehen und nach Verkehr Ausschau gehalten? Gute Naviagtionshilfe entdeckt: Stausee Quitzdorf hat eine Staumauer, welche genau auf Rothenburg zeigt. Und nun tauchen die Bahnstränge bei Horka auf. Sekunden später sichte ich den Platz. Drei Minuten nach mir landet Tobias. Ein klein wenig stolz bin ich schon nun erster zu sein. Wir fliegen gemeinsam zurück nach Brauna und machen noch einen Dreiecksflug über Bautzen und Welzow.