Alpen 2007
Borchert+Luise, Tobik: Görlitz-Vilshofen-Scherding-Mauterndorf-Zell am See-Arnbruck-Görlitz
Nach den verregneten Wochenenden der letzten Zeit ist die Wetterprognose ein richtige Wohltat. Während ich noch mit den Fasci-Pilots die Optionen abchecke, trudelt die Nachricht von der neuen, diesmal unbefristen Einflugerlaubnis für deutsche ULs nach Österreich ein. Eckhard schlägt einen Flug nach Zell am See vor. Das ist genau das richtige Stichwort. Am 8. Oktober 06 haben wir auf dem Weg dorthin einen Schlechtwettersack in Pilsen aufgehängt. Den können wir bei der Gelegenheit gleich abholen. Auch Borchert ist von der Idee begeistert.
Sonnabend, 22.09.2007
Sonnabend treffen wir uns halb zehn in Görlitz auf dem Platz. Borchert hat da schon einen Gastflug gemacht. Den Flugplan habe ich am Abend über Internet aufgegeben. Diesmal sogar ohne Rückfragen. Das Internetformular nebst Hilfe ist so gut geworden, dass auch die Spezialwünsche und -fragen der tschechischen und polnischen Flugsicherung damit geklärt werden können.
München Information ist schwer verständlich wie eigentlich immer. Seitdem Berlin Süd abgeschafft wurde ist dieses Thema eine immerwährende Katastrophe. Zum Glück wechseln wir 10 min später nach Praha Information, mit dem meiner Erfahrung nach am Besten verständlichen Englisch in ganz Europa, einschließlich England! Über das Lausitzer Bergland und die böhmische Schweiz fliegen wir ins böhmische Becken.
Nachdem wir die Elbe überquert haben, geht es eine Stunde ohne jede Abwechslung über flaches Land. Die Pisten vom letztjährigen Plätzehüpfen ziehen unter uns durch. Pilsen bleibt Steuerbord liegen. Endlich taucht der Böhmerwald vor der Nase auf. Zwei riesige Radarkugeln ala Wasserkuppe zeugen vom kalten Krieg der Vergangenheit.
Hinter der Grenze beginnt wieder der Krampf mit München Information. Diesmal sind es ein paar Echo-Flieger, die für Chaos auf der Frequenz sorgen. Dafür schließt uns München bereitwillig den Flugplan schon 10 min vor dem Platz. Das Zauberwort heißt: "Die Landung ist gesichert".
Mein Blasenüberdruck ist seit Pilsen stetig angewachsen und jetzt muss ich endgültig vorfliegen, um wenigstens ein paar Minuten gut zu machen. Vilshofen liegt direkt an der Donau. Ein wunderschöner Anblick aus der Luft. In der Platzrunde hören wir dann auch Eckhard mit der MISY aus Kulmbach. Das ist Timing!
Nach einem großen Hallo, einem Stempel fürs Flugbuch und einem Eiskaffee für den Gaumen hüpfen wir weiter nach Scherding um Mogas zu fassen. Eckhard schiebt die Gase rein und braucht nur halb so lang wie unsere Formation.
Die Temperaturen liegen hier im Süden bei 25°. Für den Flug über den Alpen-Hauptkamm nach Mauterndorf haben wir 8500 ft geplant. Die Zodi steigt mit 120 km/h. Bei dieser Geschwindigkeit würde die Fasci den Hitzetod sterben. Ich ziehe weite Schleifen und Kurven, damit die Temperaturen im grünen Bereich bleiben. Am Atternsee sind wir über 8000 ft hoch und die Alpen liegen uns zu Füßen. Kein Wölkchen am Himmel, Windstill und Sicht von Pol zu Pol. Kaiserwetter, extra für uns! Bei diesen Bedingungen kann wohl jeder in den Alpen fliegen. Aus sicherer Höhe sehen wir uns die engen Täler an, durch die man sich bei bedecktem Himmel quetschen muss. Am Dachstein vorbei geht es direkt nach Mauterndorf. Hier führt die Platzrunde allen Ernstes um einen Berg herum, auch wenn die einheimischen Piloten das offensichtlich nicht so genau nehmen.
Dann stehen wir auf Österreichs höchstem Flugplatz und genießen das Panorama und das Gefühl, endlich am Ziel eines lange gehegten Planes zu sein. Taxi-Peter singt schließlich schon seit zwei Jahren das Hohelied von Mauterndorf.
Ewig halten wir uns nicht auf, bevor wir wieder in die Kisten steigen um nach Zell am See, unserem Tagesziel, zu fliegen. Der Steigflug aus kühlen 4000 ft ist viel einfacher als in Scherding. Ich brauche nur wenig Schleifen zu drehen, bevor wir gemeinsam mit der Zodi in 8500 ft über die Berge nach Zell rutschen. Weitab sehen wir Eckhard mit WOT vorüberziehen.
Die Platzrunde in Zell auf die 08 geht über den See und den Berghang. Kein Problem, solange die Sonne aus Westen nicht so blendet, dass der Berghang fast nicht zu sehen ist. Eine Gänsehaut und zwei kleine Quietscher später setzt sich die Fasci hinter der Zodi auf die Piste.
Eine wohlverdiente Fliegerpfanne im Flugplatz-Restaurant und einen Schwatz mit den Zeller UL-Freunden später radeln wir ins Landhaus Kneissl rüber. Luise läßt sich noch tapfer zu einer Nachtfahrt um den See in die Stadt überreden.
Sonntag, 23.09.2007
Früh am nächstem Morgen liegt eine dünne Nebeldecke über dem Platz. Nach dem Frühstück ist die Luft wieder klar. Das Kaiserwetter bleibt uns auch heute treu. Eckhard radelt nochmal los, um einen Bekannten zu besuchen. Als er zurückkommt bringt er eine Einladung zu einem Flug nach Italien mit. Da wir heute zurück nach Görlitz müssen, werden wir uns hier trennen. Wir tippen mit dem Finger auf die Landkarte in der Nähe der tschechischen Grenze und treffen Arnbruck. 650 Meter Asphalt und Mogas - genau was wir brauchen.
Als ich vom Bezahlen und einem Schwatz mit den Piloten einer anderen Fasci zurückkomme, redet Borchert mit Anton und Thomas aus Landshut. Die beiden sind grade mit ihrer Rans gelandet und haben doch tatsächlich die Flieger von unserer Homepage erkannt. Das ist uns so auch noch nicht passiert :)
Wir wollen unbedingt am Watzmann vorbeifliegen. Die alte Kultplatte gehörte zu manchem lustigen Treffen unserer frühen Jugend. Wir drehen ein paar Schleifen, bevor wir über die Berge zum Watzmann kommen. Die Aussicht belohnt alle Quälerei für die armen Rotaxe. Sogar die Biwakschachtel kann ich in der Ostwand entdecken.
Nach dem Alpenpanorama ist erst mal jede Landschaft zur Bedeutungslosigkeit verdonnert.
Wir schippern um die Salzburger Kontrollzone herum nach Nordosten und haben jede Menge Zeit unsere komfortable Höhe abzugleiten. Der Anflug in Arnbruck holt uns aber endgültig aus den Träumen. Die Piste versteckt sich hinter diversen Hügeln und quetscht sich eng ins Tal. Ein Schleppzug geht unter uns im Queranflug durch. Der Endanflug ist bei Seitenwind bestimmt interessant und lebhaft. Heute ist es nur schön. Der Platz selber scheint die reine Fliegeridylle. Eine Dynamic schleppt am laufenden Band. Auch ein Bocian ist in der Luft. Eine Winde scheint es nicht zu geben. Die jugendlichen Flugleiter faxen bereitwillig unseren Flugplan zu FIS. Die Pizzeria Mamma Mia begeistert sogar Luise, nicht zuletzt durch ihren Namen.
Nach einer ausgiebigen Mittagspause starten wir zu unserem letzten Leg für dieses Wochenende. München Information versuchen wir gar nicht erst. Der Vergleich mit Praha Information würde zu deprimierend ausfallen. Hinter dem Böhmerwald geht es wieder über das eintönige böhmische Becken. Ein gütiger Rückenwind verkürzt uns die Zeit mit +20 km/h Richtung Elbe. Hier sind wir schon fast zu Hause. Hinter der Grenze spreche ich zu München wieder das Flugplan-Schließungs-Zauberwort. In der Zodiac war München angeblich sogar verständlich...
Von weit oben sehen wir den Schloßflieger Krach machen. Ein paar Kommentare können wir uns nicht verkneifen. Die Landeskrone ist in Sicht. Wir rollen vor der Halle aus und sehen jede Menge Gastflugkundschaft. Heute aber nicht für uns. Dieses Wochenende müssen wir erst mal in Ruhe verdauen.