Rundflug durch die Oberlausitz Fliegerclub Eibau-Oberlausitz e.V. Sektion Ultraleicht

Flugtag 8. Oktober 2006

Borchert und Schmidtl, Tobias, Alex und Wolf, Dieter und Rita beim Böhmischen Plätzehüpfen

Taxi-Peter rührt seit Wochen die Trommeln für einen gemeinschaftlichen Flug. Er möchte seinen Wettersack im Fichtelgebirge abholen, wo es ihn letztes Jahr runtergespült hatte.

Flug-Route

Geplant ist ein Wochenende mit Übernachtung in Vilshofen. Wir wollen die Gelegenheit nutzen und weiter über den Alpenhauptkamm bis nach Mauterndorf fliegen. Diese Pläne fallen mit dem Regenwetter vom Sonnabend ins Wasser. Was bleibt ist ein Tagesausflug am Sonntag, Luftlinie durchs Böhmische nach Bayern und die Grenze entlang zurück.

Früh vor 8 Uhr machen wir bei bestem Wetter die Zodi und die Fasci fertig. Alex und Wolf-Dieter kommen mit der C-42 aus Rothenburg. Dieter und Rita sind auch schon da.

Alex aktueller Gaforbericht zeigt für Böhmen, Erzgebirge und Fichtelgebirge X mit Tendenz zu M ab 10 Uhr. Wir beschließen, trotzdem loszufliegen. Wir haben einen Flugplan durch Böhmen nach Vilshofen.

Im Lausitzer Bergland liegen die Täler früh am Morgen noch im Nebel. Insgesamt eine überirdische Stimmung. Im Flachland ist alles frei. Wir gleiten in 3500 Fuss nach Südosten. Kein Lüftchen regt sich, die Maschinen liegen satt in der Luft.

Großschönau

Großschönau

Lausitzer Berge

Lausitzer Berge

Litomerice

Litomerice

Westlich von Prag wird die Bewölkung dichter und erstreckt sich schließlich als geschlossene aufliegende Nebel-/Wolkendecke bis zum Horizont. Wir weichen zunächst noch nach Westen aus. Gewarnt durch den Wetterbericht, wollen wir nicht über die Wolken ins Ungewisse fliegen. Dieter stellt uns vor die Alternative: Landen in Rakovnik oder umdrehen. Wir sind bei Praha Information angemeldet und wenn wir jetzt einfach landen haben wir keine Grenzkontrolle. Also suchen wir nach einer anderen Möglichkeit. Der nächste größere Platz ist Pilsen Line, ein mil./ziviler Privatplatz mit Kontrollzone. Ich frage Prag, ob wir in Pilsen landen können und nach dem dortigen Wetter. Es dauert eine Weile, ehe Prag das Wetter mit 4/8 in 4000 Fuss sowie Dunst meldet und bestätigt, dass wir landen können. Borchert ist zwar das Wetter egal, aber er hat Blasenüberdruck. Eine Landung passt uns allen gut.

Bodennebel

Bodennebel

Was nun?

Was nun?

Das GoTo führt uns direkt über die Wolken. Wir fliegen ins Nichts hinein. Das METAR für Line scheint aus dieser Perspektive maximal unglaubwürdig. Da wir jederzeit umdrehen können, beunruhigt mich das nicht weiter. Nach einiger Zeit tauchen am Horizont sogar Berge hinter dem Nebel auf. Die Wolken reichen also nicht bis nach Deutschland hinein. Dafür kommt Pilsen auf dem GPS immer näher. Und genau dort, wie abgeschnitten, hören die Wolken auf.

Im Gegenanflug schrammeln wir an den Wolken lang. Den Queranflug machen wir dicht am Platz, um VFR zu bleiben.

  • "D-BB Formation Number 1, Final 06"
  • "D-BB Formation cleared to land rwy 06"

Im allerbesten Sonnenschein rollen wir von der Piste und die Dame vom Büro guckt uns ungläubig an. Wo denn das schlechte Wetter sei? Dann kocht sie uns einen Kaffee. Wir setzen uns in die Sonne vor der Flugleitung und warten auf die Grenzkontrolle. Bei Kaffee und in wohliger Wärme freuen wir uns über den schönen Flug. Der Grenzer ist 45 Minuten später da.

Wir streichen Vilshofen aus unserem Plan und wollen über Schmidgaden abkürzen. Ein Anruf beim dortigen Flugleiter ergibt 800 Meter Sicht und eine geschlossene Nebeldecke. Das Gleiche meldet der Wettermann für die ganze Grenze von Vilshofen bis Chemnitz.

Pilsen Linje

Pilsen Linje

Bestes Wetter?!?

Bestes Wetter?!?

Sonne

Sonne

Wir einigen uns erstaunlich geschmeidig auf bömisches Plätzehüpfen. Abends dann Ausflug nach Deutschland über den uns wohlbekannten internationalen Flugplatz Mnichovo Hradiste. Dafür wollen wir gleich noch einen Flugplan aufgeben. Die Chefin läßt den Plan an zwei verschiedene Stellen durch ihr Fax laufen. Dann erläutert sie ihn in mehreren Telefonaten unter demonstrativem Augenrollen einer ersten und einer zweiten "Woman in Praha". Schließlich scheint doch alles klar. In der Luft ist der tschechische Service wesentlich entspannter.

Ich erkläre ihr, wir wollen ein paar kleine Plätze anfliegen und am Abend über Mnichovo ausfliegen, und frage, ob sie dort bitte anrufen könnte um die Grenzkontrolle zu bestellen. Sie meint, wir hätten ja schon die Grenzkontrolle hier in Pilzen gemacht und wenn wir wegen Benzin in Mnichovo landen müssten, dann bliebe die Pilzener Kontrolle auch für die Ausreise von Mnichovo gültig. Da ich ihr das nicht recht glaube, ruft sie in Mnichovo an. Der dortige Flugleiter bestätigt mir diese Ansicht. "Und das Plätzehüpfen?" "Nein, nein. Das geht nicht!" sagt sie, und rollt wieder mit den Augen... Dann sucht uns ein paar Plätze mit Tankstelle raus und kopiert uns die Anflugkarten - Schwejk life :-) Ich frage: "Landegebühr?" "Nein, das war ja eine Sicherheitslandung." Nur die Grenzkontrolle kostet 400 Kronen pro Flugzeug.

Inzwischen hat sich der Nebel vollständig aufgelöst. Bei bestem Wetter hüpfen wir zunächst nach Rakovnik. Das ist ein Grasplatz mit zwei parallelen Pisten, insgesamt bestimmt 200 m breit. Im Funk gibt man uns sogar die aktive Piste durch. Eine Cessna wird gerade eingeräumt. Ansonsten ist alles verschlafen. Trotzdem findet sich jemand, der uns eine Stempel-Trophäe ins Flugbuch drückt. "Landegebühr?" "Nein, nein" wehrt der Stempelmann höflich ab.

Pilsen

Pilsen

Rakovnik

Rakovnik

Rauchzeichen

Rauchzeichen

Wir halten uns nicht lange auf und hüpfen weiter nach Panensky Tynec. Dort sehen wir eine große Betonpiste und abfliegenden Verkehr, nur im Funk ist Totenstille. Borchert macht einen tiefen Überflug und sieht eine neue Frequenz aufs Vorfeld gemalt. Aber auch hier kann sich niemand zu englischem Funk durchringen. Wir fädeln uns in die Platzrunde ein, umkurven einige Modellflugzeuge im Endanflug und setzen weich auf. Die Piste ist in sehr schlechtem Zustand. Wir werden mehrmals heftig durchgeschüttelt bevor wir aufs Vorfeld rollen. Dort ist jede Menge los. Jemand begrüßt uns in perfektem Deutsch und wir bekommen gleich einen Kaffee gekocht. Nur der Stempel ist leider irgendwo unterwegs. "Landegebühr?" "Nein, nein" wird leicht entrüstet abgewunken.

Panensky Tynec

Panensky Tynec

Beton

Beton

Sonne

Sonne

Flugzeuge

Flugzeuge

Die nächste Station ist Roudnice. Sobald wir auf die Frequenz wechseln, hören wir schon jede Menge Verkehr. Auch die Platzrunde ist voller Flugzeuge. Nur unser englischer Funk wird ignoriert. Wir fädeln uns wieder in die Platzrunde ein und landen auf der aktiven Piste. Beim Abrollen sehen wir bereits ein Flugzeug zur angrenzenden Autotankstelle rollen. Dort ist ein Tor im Zaun und schon fließt der Treibsaft in den Flieger. Wir stellen uns hocherfreut an und füllen alle Tanks. Borchert wandert zum Clubhaus rüber und fragt: "Landegebühr?" "Nein, nein" winken die Locals entspannt ab.

Roudnice

Roudnice

Geschichten

Geschichten

Wir rollen zur Piste.

  • "D-MVBB Formation taking off runway 31".

Zum ersten Mal kommt eine Antwort in perfektem Englisch.

  • "Departing aircraft, please hold position. Cessna over the field with simulated engine failure"
  • "D-BB holding position"

Auf dem Weg nach Mnichovo Hradiste kommt es bei einigen Besatzungen zu leichten Irritation über die Route. Alex sollte wohl mal seine Software überdenken?

18.jpg

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Melnik

Melnik

20.jpg

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Mnichovo Hradiste

Mnichovo Hradiste

Gegenanflug

Gegenanflug

Queranflug

Queranflug

Schließlich treffen wir uns doch alle auf dem Vorfeld.

Dromader

Dromader

25.jpg

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Wir sind etwas gespannt, was der Flugleiter zur Grenzkontrolle sagen wird, obwohl niemand mehr Benzin braucht. Er guckt zunächst etwas ungläubig, bestätigt nach einem Verweis auf das morgendliche Telefonat aber die Gültigkeit unserer Pilzener Grenzkontrolle... Dafür gibt es dann gleich noch einen frisch gekochten Kaffee. Der ist in den 2 Euro Landegebühr mit drin.

Pünktlich mit unserem Flugplan starten wir in Mnichovo und bekommen vom Flugleiter noch die Bestätigung über den geöffneten Flugplan und einen Transpondercode mit auf den Weg. Hat der den Code von FIS bei der telefonischen Öffnung des Flugplans bekommen? Praha Information bestätigt jedenfalls ohne weitere Rückfragen: "Radar contact."

Wir fliegen noch gemeinsam Richtung Jeschken. Dann scheint sich Heimweh breit zu machen. Dieter ist weit voraus, Alex in der C-42 weit unter mir und Borchert ist gar nicht mehr zu sehen. Ob der gleich über Polen abkürzt? Ich fliege brav über Zittau und melde mich dort nochmal bei München Information.

  • "D-MVBB Formation, Grenze überflogen, Platz in Sicht, Landung gesichert, bitte Flugplan schließen"
  • "D-MVBB Flugplan geschlossen. Verlassen genehmigt"

Zeit für mich, die Gase etwas reinzuschieben. Wäre ja peinlich, wenn die Fasci als Letzte in Görlitz ankäme. Es ist immer wieder fascinierend, wie mühelos die Nadel des Fahrtmessers nach oben klettert. Kurze Zeit später passiere ich bereits Taxi-Peter. Trotzdem meldet sich Borchert nicht lange nach mir in der Platzrunde an und ich bin kaum ausgestiegen, da ist er schon im Endteil - "Dzen dobre".

Beim Zusammenrechnen der Flugzeit fehlen noch 7 Minuten an 4 Stunden. Ausserdem ist das Licht so schön und Werni will möglichst viele Landungen haben. Eine Gelegenheit um den schönen Flugtag mit einem kleine Flug ausklingen zu lassen.

Görlitz

Görlitz

Ebersbach

Ebersbach

Gute Nacht

Gute Nacht